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Down Under mit dem Working Holiday VisaEine Alternative zum Studienaufenthalt in Australien - 2002Daniela Pötschick |
Genau vor einem Jahr, im November 2001, begab ich mich zu einem knapp fünfmonatigen Aufenthalt in das Land der Koalas und Kängurus. Im Gepäck hatte ich das Working Holiday Visa, meine Eintrittskarte, die mir nicht nur einen zwölfmonatigen Aufenthalt in Australien gestattete, sondern auch die Möglichkeit bot, dort zu arbeiten. Dabei darf sich der Inhaber eines Working Holiday Visa maximal drei Monate in die Dienste des jeweiligen Arbeitgebers begeben. Um es vorweg zu nehmen: Ich erlebte meine ganz persönliche Traumzeit in diesem phantastischen Land, das mir nicht nur einmal wie das Paradies auf Erden erschien. Und ich kenne niemanden, der nicht ähnlich begeistert wie ich ins Schwärmen gerät, wenn er an Australien zurück denkt.
Um mir die Vorbereitungen für meinen Australienaufenthalt zu erleichtern, nahm ich die Hilfe einer Organisation in Anspruch. Wie sich bald nach meiner Ankunft in Sydney herausstellte, schien die damalige australische Partnerorganisation einige organisatorische Defizite aufzuweisen, die die Programmteilnehmer selbst auszubügeln hatten. So musste auch ich mich selbst darum kümmern, eine Bankkarte zu erhalten, was im Übrigen keine Schwierigkeit darstellte, aber da ich nun mal für das Programm bezahlt hatte, wollte ich natürlich von den versprochenen Leistungen vor Ort Gebrauch machen. Von anderen Teilnehmern hörte ich ähnliche Klagen. Mittlerweile hat sich die von mir gewählte Organisation von der australischen Partnerorganisation getrennt.
Um es deutlich zu sagen: Vom Antrag des Visums bis hin zum Buchen des Fluges lässt sich eigentlich alles ganz gut selbst organisieren. Bei eventuellen Unklarheiten bezüglich der Bewerbungsunterlagen für das Working Holiday Visa gibt die Australische Botschaft in Berlin sicherlich gerne Auskunft und leistet Hilfestellung. Denjenigen, die mit dem Gefühl nach Australien fliegen möchten, sich im Notfall an eine Organisation wenden zu können oder sich nicht alleine ins Abenteuer stürzen und zumindest zu Beginn der Reise lieber mit einer Gruppe mehr oder weniger Gleichgesinnter losziehen möchten, würde ich raten, sich an eine Organisation zu wenden.
Die Erfahrungen von Reisenden mit dem Working Holiday Visa sind natürlich so individuell wie die Reisenden selbst. So kann ich mich nur auf meine eigenen Erfahrungen beziehen, die nicht unbedingt repräsentativ sein müssen. Bei mir ging es darum, zur richtigen Zeit am rechten Ort zu sein und -- ganz wichtig -- sich nicht der Illusion hinzugeben, in Australien meinen Traumberuf ausüben zu können. Für mich galt es, das nötige Geld zu verdienen, das mir meine Reisen vor Ort ermöglichte. Eine gewisse Flexibilität und Mobilität ist schon nötig, will man nicht an Ort und Stelle versauern. So kam ich schnell von meinem Plan ab, die ersten Monate in Sydney zu bleiben, denn zum Zeitpunkt meiner Ankunft standen zum einen die Schul- und Semesterferien bevor und zum anderen strömten Backpacker nach Sydney, um dort Weihnachten und Sylvester zu verbringen, so dass die in- und ausländische Konkurrenz recht groß schien und ich mich dazu entschloss, mein Glück weiter nördlich zu versuchen. Über Umwege landete ich auf Magnetic Island, eine der ältesten "Island-Resorts" von Queensland, die zur Hälfte aus Nationalpark besteht. In einem Hostel arbeitete ich zwei Stunden pro Tag als Zimmermädchen, wofür ich freie Unterkunft bekam, und über den Nachmittag verteilt als "Jetty girl", das die Gäste von der Fähre abholt, auf Anfrage Auskunft zu Übernachtungspreisen gibt, etc. Dafür erhielt ich täglich zwei Mahlzeiten. Während meines zehntägigen Aufenthaltes auf dieser wunderschönen Insel erfuhr ich von einer Irin über ein Hotel auf dem Festland, in dem sie als "kitchen hand" gearbeitet hatte. Kurz entschlossen rief ich dort an und fragte, ob sie einen Job für mich hätten, woraufhin ich gefragt wurde, ob ich "any bar experience" vorzuweisen hätte, was ich verneinte, aber ich bekräftigte, dass ich durchaus gewillt sei, in der ans Hotel angeschlossenen Kneipe zu bedienen, würde ich eingearbeitet werden. Am nächsten Tag war ich dort und ich blieb für einen ganzen Monat.
Jedes Hostel hat Aushänge am schwarzen Brett, die auf Jobangebote aufmerksam machen, oftmals in der eigenen Einrichtung. Gesucht werden Rezeptionisten, Reinigungspersonal und Küchenhilfen, manchmal auch Fahrer, die Gäste vom Busbahnhof abholen. In den meisten Fällen erhält man Unterkunft und/oder Verpflegung umsonst, aber selten Cash. Ein typischer Backpacker-Job ist das "fruit or vegetable picking". Das ganze Jahr über wird geerntet, die Ernteprodukte sind saisonabhängig. Mir blieb der Spaß erspart, worüber ich nicht traurig war, habe ich doch von vielen Backpackern gehört, dass es sich um extrem kräftezehrende und monotone Arbeiten handelt, die -- für Nordeuropäer zumindest -- unter zum Teil extremen Bedingungen (40°C im Schatten sind auf einer Mangofarm keine Seltenheit) verrichtet werden. Jobvermittlungsagenturen gibt es in allen touristischen Orten. Dabei ist zu unterscheiden, ob diese allen Arbeitsuchenden behilflich sein wollen oder nur jenen, die nicht auf drei Monate eingeschränkt sind. Wer nicht zu schüchtern ist, kann sein Glück hartnäckig per "door knocking" versuchen, keine unübliche Art in Australien, um um einen Job zu werben. Auf schriftliche Bewerbungen ist nicht unbedingt mit einer Antwort zu rechnen. Die Chancen sind einfach größer, sich direkt beim potenziellen Arbeitgeber vorzustellen, auf belegbare Referenzen wird nicht unbedingt Wert gelegt. Was zählt, ist die Einstellung. Sicherlich schadet es auch nicht, auf konventionelle Weise in Zeitungen die Stellenanzeigen zu studieren.