LL.B.-Studium an der University of New South Wales, Sydney

Sabine Pittrof, LL.B (Univ. N.S.W.)
 


(Der Bericht ist die überarbeitete Fassung zweier Berichte an den DAAD.)  

Nachdem ich bereits 1991 als study abroad student ein wunderschönes Jahr an der Law Faculty der UNSW verbracht hatte, entschloß ich mich nach Abschluß des Ersten Juristischen Staatsexamens mit Unterstützung eines Stipendiums durch den DAAD noch den Studiengang eines Bachelor of Laws als overseas student an der UNSW fertig zu machen.

I) Verlauf des Studiums

1) Semesterdaten

Das australische Studienjahr beginnt Ende Februar/Anfang März und ist in zwei Semester unterteilt. An der UNSW hat jedes Semester 14 Wochen und endet mit einer Prüfungszeit von ca. vier Wochen. Im Juli sind ca. drei Wochen Semesterferien bevor Ende Juli/Anfang August das zweite Semester beginnt. In jedem Semester gibt es außerdem je eine Woche mid-session break (Ostern, october holiday). An der juristischen Fakultät gibt es seit einigen Jahren auch pro Semester eine "study week".

2) Immatrikulation und Fächerwahl

Für die Immatrikulation der ausländischen Studenten sind bestimmte Tage vor Studienbeginn vorgesehen. Es ist ratsam, spätestens an diesen Tagen in Australien zu sein, denn eine Späteinschreibung ist zwar möglich, aber oft ist das gewünschte Fach dann schon belegt. Die Immatrikulation ist eine langwierige Angelegenheit und dauerte in meinem Fall einen ganzen Tag. Das Personal ist allgemein freundlich und hilfsbereit, aber da man zugleich mit der Fakultät (diese ist für die eigentliche Fächerwahl zuständig) und der Studentenkanzlei (zuständig für Erlangung des Studentenstatus, u.a. Studiengebühren) verhandelt und diese sich an verschiedenen Enden des Campus befinden, nimmt die Einschreibung viel Zeit in Anspruch.

Studiert man ein Jahr als study abroad oder exchange student kann man seine Fächer beliebig auswählen, es sei denn es werden für das gewünschte Fach Vorkenntnisse erwartet oder der Kurs ist schon mit anderen Studenten belegt. Strebt man jedoch einen Abschluß an, so ist man an die Fakultätsvorschriften gebunden.

Die Fakultät erläßt Studienbewerbern mit ausländischem juristischen Abschluß (z.B. dem ersten Staatsexamen) generell ein Jahr von dem für Graduierte drei Jahre dauernden Studiengang. (Für undergraduates dauert das Studium fünf Jahre. Sie müssen einen sog. combined degree belegen.)

Da ich bereits 1991 als study abroad student an der UNSW studierte und mir auch diese Fächer angerechnet wurden, konnte ich den Abschluß in nur einem weiteren Jahr erwerben.

3) Unterricht

Der Unterricht an der Law Faculty findet in allen Fächern im Seminarstil statt, d.h. kleine Gruppen von maximal 40 Studenten und Studentinnen.

Die Unterrichtsatmosphäre ist sehr persönlich. Die Dozentinnen und Dozenten kennen die Studierenden zumeist namentlich und beide Seiten werden generell mit Vornamen angesprochen.

Die von der juristischen Fakultät propagierte "sokratische Methode" erfordert, daß die Studentinnen und Studenten sich auf den Unterricht durch Lesen der vorgeschriebenen Bücher und Fälle vorbereiten. Letztere werden dann im Unterricht, für den im übrigen Anwesenheitspflicht herrscht, diskutiert.

Diese für deutsche Jurastudentinnen und -studenten ungewöhnliche Methode kann zumindest anfangs sehr zeitraubend sein. (Es wird allgemein empfohlen, pro Unterrichtsstunde mindestens zwei Stunden Vorbereitungen einzurechnen. Dies erklärt auch, warum lediglich vier Fächer je Semester - ein Fach wird mit vier Stunden die Woche unterrichtet - als Regel angesehen werden.) Obwohl man eine gewisse Assoziation mit lange vergessen geglaubtem Schulunterricht nicht vermeiden kann, hat diese Unterrichtsmethode viele Vorzüge, v.a. erscheint der Lerneffekt größer, da man ständig gefordert ist und mangelnde Vorbereitung sich sofort bemerkbar machte.

Jedes Fach wird einzeln bewertet, wobei sich die Note meist aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt. Diese umfassen regelmäßig Mitarbeit im Unterricht, eine Hausarbeit (Aufsatz oder Lösung eines fiktiven Falles) und je nach dem, ob das Fach ein Semester oder das ganze Jahr über gelehrt wird, eine oder zwei Prüfungen am Ende jeden Semesters. In einigen Fächern kann die Prüfung durch eine weitere Hausarbeit oder einen sog. moot (fiktive Gerichtsverhandlung) ersetzt werden, in anderen wird zusätzlich ein "Gerichtsbericht" (court report) über mehrere besuchte Verhandlungen erwartet.

Das Studium umfaßt eine Reihe von Pflichtfächern (core subjects) und eine weitere Anzahl von subjects, die die Studentinnen und Studenten aus einem breiten Angebot von Wahlfächern (electives) auswählen.

Studenten und Studentinnen, die als study abroad student eingeschrieben sind, können in der Regel ihre Fächer nach Belieben wählen. Strebt man jedoch einen Abschluß an, so ist man an die Bestimmungen für den jeweiligen Universitätsgrad gebunden.

Da mir aus oben genannten Gründen, ein Jahr des Graduate LL.B erlassen wurde, war ich in der Wahl der noch zu belegenden Fächer begrenzt und mußte v.a. die restlichen Pflichtfächer belegen.

Im ersten Semester war ich in folgenden Fächern eingeschrieben: Criminal Law, Litigation, Property & Equity, Administrative Law als core subjects und Families: Property Adjustment and Financial Transactions als elective. Im zweiten Semester hatte ich neben den drei erstgenannten Fächern, die das ganze Jahr über unterrichtet wurden, Law, Lawyers and Society als core subject und Towards a New Constitutionals elective belegt. Die übrigen Pflichtfächer (Legal Systems Torts, Federal Constitutional Law, Contracts) sowie ein weiteres Wahlfach (Aborigines and the Law) hatte ich bereits im "study abroad -Jahr" abgelegt.

Die begrenzte Wahlmöglichkeit habe ich jedoch nicht als Nachteil betrachtet. Denn obgleich viele Pflichtfächer anspruchsvoller sind als electives, bieten gerade sie einen hervorragenden Überblick über das australische Rechtssystem und sind v.a. zum Vergleich mit dem deutschen bestens geeignet. Ein Staatsexamen gibt es im übrigen nicht.

III) Allgemeine Situation am Studienort

Die Vier-Millionen Stadt Sydney breitet sich entlang der unzähligen Buchten eines Naturhafens aus, den viele den schönsten der Welt nennen. Obgleich Großstadt, ist das Leben in Sydney sehr angenehm. Da man in Sydney, wie in Australien überhaupt, sehr viel Platz hat, ist es nicht nötig viele Hochhäuser zu errichten, man kann breitere Straßen bauen, und sie meist auch begrünen, und das mildere Klima sorgt dafür, daß die Stadt auch das ganze Jahr über grün bleibt.

Sydneys Lage an der Küste bietet viele Ausflugs- und Bademöglichkeiten und auch kulturell hat Sydney jede Menge zu bieten: z.B. das berühmte Opernhaus und nicht zuletzt die vielen kleineren Theater, die meist moderne, innovative Stücke aufführen.

Die Stadt ist sehr multinational und -kulturell. Es sind beinahe alle Nationen der Erde vertreten, was sich z.B. in der Kultur und der Küche bemerkbar macht und das Leben der Stadt sehr bereichert. Die Sydneysider sind allgemein sehr freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Kurz, Sydney bietet in einer einzigartigen Weise die Vorzüge einer Großstadt, ohne die meisten ihrer Nachteile zu haben.

1) Wohnung

Die Universität ist bei der Wohnungssuche behilflich; das study abroad office vermietet auch selbst Wohnungen.

Auf dem Campus sind einige Colleges, die kleine Zimmer vermieten. Die Kosten sind wesentlich höher als für Zimmer außerhalb der Uni, schließen aber Essen ein. (Über die Qualität des Essens kursieren unangenehme Gerüchte !) Fürs College sollte man sich nur entscheiden, wenn man sich für die Dauer des Studiums für party- und trinkfest hält (selbst australische Studierende ziehen meist nach einem Jahr aus). Andererseits ist das College gut geeignet, um Leute kennen zu lernen und man braucht sich nicht um die alltäglichen Sachen, wie Bettwäsche oder Kochen zu kümmern.

Die andere, in Australien beliebte, Alternative ist die Wohngemeinschaft. Auch hier vermittelt die Universität Adressen, oder aber man sieht sich an einem der vielen schwarzen Bretter um, die immer eine Anzahl von Zimmern auflisten.

In Sydney schien der Mietpreis 1994 zwischen 80-110 A$ / Woche zu liegen (Dies betrifft die nähere Umgebung der Uni.) Dazu kommt meist noch Kaution (bond) sowie Gas, Elektrizität und Telefon.

2) Krankenversicherung

Alle ausländischen Studenten müssen für die overseas student health cover bezahlen. Dies ist Vorbedingung für die Visumserteilung. Die Versicherung deckt alle gewöhnlichen Krankheitsfälle, jedoch nicht Zahnarztkosten. Behandlungen in Krankenhäusern werden voll getragen, außerhalb Krankenhausern meist bis 80%.

3) Lebenshaltungskosten

Sydney ist wohl die teuerste Stadt Australiens, ist jedoch mit deutschen Großstädten vergleichbar oder liegt sogar darunter. Durch den Wechselkurs bedingt, kann es aber auch etwas teurer werden. Da der australische Dollar nicht in ein Wechselkurssystem eingebunden ist, sind Schwankungen von 10-15 Pf in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum nicht ungewöhnlich und können sich auf Geldüberweisungen aus dem Ausland empfindlich auswirken.

Wichtig für die Verbindung mit der Heimat: Porto- und Telefonkosten sind wesentlich billiger als in Deutschland. Besonders beim Telefonieren sind eine Reihe von Ermäßigungen für häufiges Telefonieren erhältlich.

Billig sind auch die öffentlichen Verkehrsmittel; da Sydney eine sehr große Ausdehnung hat, sind die Wege jedoch oft lang.

4) Freizeit

Die Universität wie die Stadt bieten eine sehr breite Palette von Freizeitmöglichkeiten an. Man kann kulturell wie sportlich alles bekommen, was das Herz begehrt. Das multikulturelle Gesicht der Stadt bereichert das Veranstaltungsgebot, das mildere Klima erlaubt mehr "outdoor activities" und wie überall in Australien stehen v.a. Wasser- und Strandaktivitäten im Vordergrund. Dies schließt Musik oder Theater am Strand sowie alle Arten von Wassersportwettbewerben ein.

Nachrichten aus der Heimat kann man über ein deutschsprachiges Wochenblatt oder über den multikulturellen Fernseh- und Radiosender SBS, der auch ein deutschsprachiges Programm sendet, erhalten.

Wenn die Zeit und der Geldbeutel reichen, sollte man unbedingt auch einige andere Teile des Kontinents kennenlernen. Die Vielfalt der Landschaften ist beeindruckend, die anderen großen Städte ebenfalls interessant; unzählige Strände laden zur Erholung ein.

Will man sich kein Auto mieten oder kaufen, gibt es einige hervorragend organisierte Busunternehmen, mit denen man bequem und billig überall hingelangt. Jugendherbergen und Backpackers bieten überall preiswerte und saubere Unterkünfte und zudem die Gelegenheit eine Menge Leute aus allen Ländern kennenzulernen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Australienaufenthalt persönlich und fachlich für mich sehr erfahrungsreich und ein großer Gewinn war. Ich habe wesentlich über Australien, sowie durch die unterschiedliche Perspektive, auch viel über Deutschland und mich selbst hinzugelernt und sehr gute Freundschaften geschlossen.

IV) Adressen

Prof. Paul Redmond,

Dean, Faculty of Law

The University of New South Wales
Sydney
NSW 2052
Australien

Fax: 0061-2-9385 1175
Email: P.Redmond@unsw.edu.au

The University of New South Wales
Study Abroad Office
Sydney
NSW 2052
Australien

Tel: 0061-2-9385 3175
Fax: 0061-2-9385 1265
Email: studyabroad@unsw.edu.au