G'day, mates!

Ein Jahr am anderen Ende der Welt...

Jörg Stephan


Sydney - Australien, da denkt man ja fast automatisch an Sonne, Strand, Meer usw. Das taten Regina und ich dann auch, zumal uns der Reiseführer noch mit auf den Weg gab, daß es in Sydney 242 Sonnentage im Jahr gebe.

Als unser Flugzeug aus Hongkong schließlich in Sydney landete, wurden wir dann aber durch Regen überrascht. Besonders warm war es auch nicht, aber vielleicht hatte es das Wetter ja nur gut mit uns gemeint, da wir im Februar aus Deutschland noch aus eisiger Kälte aufgebrochen waren. Wie auch immer, innerhalb der ersten Woche dort unten änderte sich das Wetter sehr schnell, und so hatten wir auch bald unseren ersten Sonnenbrand.

Untergekommen waren wir in Coogee, einem Stadtteil von Sydney, der für uns zwei Vorteile hatte: erstens direkt am Strand, und zweitens direkt an der Uni. Apropos Uni - das war ja schließlich der eigentliche Anlaß unserer Australienreise.

Im Rahmen der Austauschprogramme der Universität Passau waren wir an die University of New South Wales in Sydney gekommen. Die Universität liegt etwas südöstlich vom Stadtzentrum in der Nähe der berühmtesten Strände von Sydney und ist mit dem Bus von Stadtzentrum und Flughafen in ca. 30 Minuten gut zu erreichen. Sie wurde größtenteils so um die 60er Jahre erbaut, was man einigen Gebäuden auch deutlich ansieht. Insgesamt studieren hier ca. 30.000 Studenten, unter ihnen recht viele aus dem Ausland. 1996 wurde die "UNSW" zur Universität der Jahres gewählt, und Regina und ich hatten viel Zeit um zu erkunden, warum das so war.

Das Universitätssystem ist anders aufgebaut als in Deutschland. Zum einen gibt es Studiengebühren, die jeder zu entrichten hat, zum anderen wird an der juristischen Fakultät noch im Klassensystem unterrichtet. Das empfand ich als sehr angenehm. Das Verhältnis zu den Professoren ist viel entspannter als in Deutschland. Man kann während und nach den Vorlesungen alles fragen, was einem auf dem Herzen liegt, wird auch bei Hausarbeiten sehr gut betreut und kann schließlich auch mal mit dem ein oder anderen Prof. in einen Pub gehen, der bevorzugte Aufenthaltsort von Australiern allgemein. An der Uni spricht man jeden (Prof., Verwaltung usw.) mit Vornamen an, und das nicht erst nach ein paar Bierchen...

Der Arbeitsaufwand ist recht hoch, auch wenn man als Auslandsstudent noch einen Kurs weniger belegen muß als die anderen. Neben schriftlichen Abschlußprüfungen und Hausarbeiten gibt es in einigen Fächern auch die Möglichkeit, die Prüfung im Rahmen eines "moot" abzulegen, d.h. einer (nachgestellten) mündlichen Gerichtsverhandlung.

Ein Staatsexamen gibt es für Jura dort nicht. Man absolviert die Prüfungen am Ende der Kurse, und wenn man an der erforderlichen Anzahl von Pflicht- und Wahlfächern teilgenommen hat, wird aus den Kursnoten eine Gesamtnote berechnet. Gerade wenn man hier auf das Staatsexamen zugeht, doch eine etwas angenehmere Vorstellung. Außerdem hat man ein sehr breit gefächertes Kursangebot. So gibt es zum Beispiel Kurse über asiatische Rechtssysteme, über internationale Menschenrechte, Kriegsrecht oder sogar "Cyberlaw", was per Internet unterrichtet wird.

Kurz und gut, gerade als Auslandsstudent kann man sich die Sahnestückchen rauspicken und auch etwas exotischere Rechtsbereiche kennenlernen.

Daneben bietet die Universität noch ein Riesenangebot an Freizeitaktivitäeten an - von Bushwalking über Tauchen und Wasserskifahren bis hin zu Drachenfliegen usw. Dort findet man schnell ein paar Freunde, um Sydney richtig kennen- und lieben zu lernen.

Wenn man ein wenig Zeit hat, sollte man es auf keinen Fall versäumen, das Land ein bißchen zu erkunden. Aus meiner Sicht ist Australien eines der schönsten und interessantesten Reiseziele der Welt. Neben Sydney sind insbesondere das Great Barrier Reef und die rote Wüste im Zentrum zu empfehlen. Nicht umsonst steht Australien nach einer neueren Umfrage auf der Liste der bevorzugten Auswanderungsziele der Deutschen knapp hinter den USA an zweiter Stelle...


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