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Diplomarbeit am Dept. of Physics, University of Newcastle Dr. Matthias Dräger |
Es gibt viele Möglichkeiten, im Rahmen seines Studiums einige Zeit in Australien zu verbringen. Ich hatte gerade meine Diplomprüfungen in Physik abgelegt und war auf der Suche nach einer passenden Diplomarbeit auf meinem Lieblingsgebiet. Eine Nachfrage beim entsprechenden Lehrstuhl ergab ein überraschendes Ergebnis: Nach einem längeren Interview wurde ich gefragt, ob ich mir auch vorstellen könne, den experimentellen Teil der Arbeit in Australien zu erarbeiten; eine entsprechende Kooperation bestünde mit dem Dept. of Physics der University of Newcastle, NSW. Dieses reizvolle Angebot nahm ich nach (sehr) kurzer Überlegung gerne an.
Es gab einige technische Dinge zu regeln.
Das gastgebende Institut buchte ein Zimmer in einem der "Residential
Colleges", den Studentenwohnheimen der Uni. Im "International House"
gab es eine bunte Mischung der verschiedensten Nationalitäten, die
dort Tür an Tür mit australischen Mitstudenten zusammenleben.
Die Statuten regeln eine Quote von 50% Australiern zu 50% "Overseas".
Das Zusammenleben mit Indern, Koreanern, Italienern, Indonesieren, Japaner,..., und
nicht zuletzt den Australieren gab einen faszinierenden Einblick in die
verschiedenen Kulturen und Lebensweisen, die in erstaunlicher Weise miteinander
harmonierten. Nur die asiatische Küche war am Anfang etwas sehr
scharf...
Im Institut arbeiteten neben zwei australischen Doktoranden eine ganze Anzahl von "Overseas" Studenten aus den verschiedensten Nationalitäten, z.B. China, Jugoslawien (das es damals noch gab) und anderen, die dort entweder ihren "Masters by Research" oder ihren "Ph.D." absolvierten. Neben der eigentlichen Foschungsarbeit, die dort wie hier weitgehend selbstständig erledigt wurde, standen Seminare auf dem Stundenplan. Auch in den Lehrbetrieb wurde man eingebunden, z. B. für die Betreuung eines Praktikums. Erstaunlich war auch die Offenheit und Lässigkeit, mit der Studenten, Stab und Professoren miteinander umgingen - es wurde sich durchgehend nur mit dem Vornamen angeredet, was die Distanz schnell überbrücken half.
Die Universität war eine klassische Campus-Uni, bei der alle Institute und zentrale Einrichtungen wie zwei große Bibliotheken auf einem großen Buschgelände untergebracht waren. Diese waren vom frühen Morgen bis zum späten Abend geöffnet und verfügten über eine beeindruckende Kollektion von Büchern, Fachzeitschriften und Journals - hier können sich deutsche Universitäten teilweise noch eine recht dicke Scheibe abschneiden. Zentral lag auch ein großes "Union Building", in dem neben der Mensa (eigentlich ein Marktrestaurant, wo sich jeder seine persönliche Mahlzeit aus einem großen Angebot individuell zusammenstellen konnte) auch ein Reisebüro, Friseur, ein kleiner Laden für Schreibwaren und eine Bar untergebracht waren. Eine Attraktion war ein großer zentraler naturbelassener Bereich, wo man den australischen Eukalyptuswald bewundern konnte. Cocabooras und Kakadus trugen zur lautstarken akustischen Untermalung bei.
Namen und Adressen: Dept of Physics |
Nach der Arbeit war der Weg an den Strand nicht zu weit um in der Abendsonne noch ein wenig zu relaxen und den Tag Revue passieren zu lassen. Eine große Mall befand sich in unmittelbarer Nähe, und dort bekam man auch noch am späten Abend im Notfall Chips und Getränke, falls überraschend Freunde zu Besuch kamen. Nur alkoholische Getränke wie Bier oder Wein gab es ausschließlich in speziell lizenzierten "Bonded Stores" zu kaufen. Gewöhnungsbedürftig war allein die Umstellung auf den Linksverkehr, insbesondere da die Fahrzeuge dementsprechend als Rechtslenker ausgestattet waren und Kreisverkehre im umgekehrten Sinne umfahren werden mußten.
Insgesamt stellt dieses Jahr eine unvergeßliche Erinnerung und Erfahrung dar. Neben der fachlichen Ausbildung und einem Intensivkurs in englischer Sprache waren insbesondere die kulturellen Eindrücke dieses faszinierenden und wunderschönen Landes unvergeßlich.