Inga goes Aussie - Part I

Erfahrungsbericht über meinen Studienaufenthalt an der UNSW 1996

Inga Sitzmann, Passau/Melbourne

Kangaroos, koalas, an opera house in Sydney, the Australian Open in Melbourne, "Neighbours" , INXS and surfing was my basic knowledge about Australia, before I first left for Sydney in 1996. A new exchange pro-gramme between the Faculty of Computer Science and Mathematics at the University of Passau and the Uni-versity of New South Wales offered the great opportunity to extend this knowledge. Studying and doing a pro-ject at the UNSW for eight months, I learned about the Australian way of living, the true Australian attractions (its landscape and its people) and - last but not least - took a piece of excellent education back to Germany.

Bis Ende September 1995 war Australien für mich ein grosses Land, irgendwo am anderen Ende der Welt. Ältere Verwandte hatten mich als Kind immer gewarnt, das sei wo ich rauskäme, sollte ich beim Sandburgen bauen an der Nordsee nicht rechtzeitig aufhören zu graben. Känguruhs, Koalas, ein Opernhaus in Sydney, ein Grand Slam Turnier in Melbourne, "Neighbours", "Midnight Oil" und INXS, Surfen und viel roter Sand waren wohl so die wesentlichsten Assoziationen, die ich mit Australien bis dahin verband. Dies sollte sich aber schlagartig ändern. Die Fakultät für Mathematik und Informatik der Universität Passau hatte plötzlich einen Austauschplatz mit der University of New South Wales in Sydney und ich hatte die Ehre, diesen Austausch beginnen zu dürfen. Sobald ich dies wußte, begann ich mich intensiv mit Australien zu beschäftigen und trat im Februar 1996 gut vorbereitet, aber dennoch mit wenig tatsächlicher Ahnung über Australien die Reise nach Sydney an. Mit mir kam eine Jurastudentin aus Passau, da die Passauer Jura-Fakultät schon länger ein Austauschprogramm mit der UNSW unterhielt.

Empfangen wurden wir in Sydney am Flughafen von Mitarbeitern des International Student Centres (ISC) so-wie Bekannten meiner Begleiterin, bei denen wir die ersten Tage netterweise unterkommen konnten. Das ISC organisiert jedoch für alle internationalen Studenten für die ersten Tage eine temporäre Unterkunft in einem Hotel, bis man eine ständige Wohnung gefunden hat.

Die ersten Tage verbrachten wir im wesentlichen in und um die Uni. Die Einschreibung ist ein recht kompli-zierter Prozeß, da das Studiensystem in Australien wesentlich strukturierter und organisierter ist als in Deutschland. So muß zum Beispiel der gewählte Stundenplan vom jeweiligen Course Adviser genehmigt werden, der einem hilft, die gewählten Vorlesungen auf seinen bisherigen Hintergrund abzustimmen. Dank der ausgeprägten Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Australier waren auch diese bürokratischen Hürden leicht zu überwinden.

Nachdem die Einschreibung überstanden war, machten wir uns in den ersten Tagen auch sofort auf Wohnungs-suche. Generell hat man zwei Möglichkeiten als Austauschstudent zu wohnen. Eine Möglichkeit ist das College. Es ist eine gute Möglichkeit, andere Studenten kennenzulernen und Anschluß zu finden. Weiterhin sind die Angebote im College, vom Essen (über die Qualität kann man streiten) über Sportanlagen, Bibliotheken, Computerräume, etc. recht gut und man kann die Unterkunft bereits von Deutschland aus organisieren. Der so-ziale Teil kann jedoch etwas überhand nehmen, man sollte also trink- und partyfest sein und auch nicht allzu lärmempfindlich, um es im College auszuhalten. Die andere übliche Unterkunftsmöglichkeit ist, ein Zimmer in einer WG (shared house/flat) zu finden. Dies erlaubt etwas unabhängiger und selbstständiger zu leben, gleich-zeitig aber über seine Mitbewohner auch einen Einblick in die australische Lebensweise zu erhalten. Der durch-schnittliche Preis für ein Zimmer in Uni-Nähe lag 1996 zwischen A$90 und A$120 pro Woche. Beim Einzug sind in der Regel zwei bis vier Wochenmieten Kaution sowie die ersten zwei Wochenmieten fällig, so daß man an ausreichende Geldmittel denken sollte.

Der einfachste Weg, seine Finanzen in Australien zu organisieren, ist ein Konto zu eröffnen und sich Geld von Deutschland überweisen zu lassen. Die dortigen Banken haben Filialen auf dem Campus und bieten gebühren-freie Konten für Studenten an. Man wird mit einer Bankkarte ausgestattet, mit der man in fast allen Geschäften bargeldlos zahlen und sogar dank des Systems EFTPOS sich in den Geschäften Bargeld von seinem Konto aus-zahlen lassen kann. Für die ersten Tage bis Geld auf dem Konto eingetroffen ist, bietet sich die Mitnahme von Reiseschecks an, die auch von vielen Vermietern akzeptiert werden.

Da ich neben dem regulären Besuch von Vorlesungen auch ein Praktikum im VaST (VLSI Systems and Tech-nology) Laboratory absolviert habe, das mir an der Universität Passau als Hauptstudiums-programmierpraktikum angerechnet wurde, gehörte zu meinen Pflichten der ersten Tage auch, mich bei meinem Betreuer Prof. Graham Hellestrand und seiner Gruppe vorzustellen und mir eine Einführung in die Arbeit der Gruppe geben zu lassen.

Nachdem dies alles erledigt war, das Zimmer bezogen und die Sachen ausgepackt waren, haben wir uns erstmal ein bißchen Auszeit gegönnt und die Stadt mit ihren Attraktionen unsicher gemacht. Weiterhin war auf dem Campus auch Orientation Week angesagt, bei der sich die zahlreichen Clubs und Associations (von Cocktails über Bushwalking und Wasserkifahren hin zu einem Akte-X Fanclub) den neuen Studenten am Anfang des Semesters vorstellten. Mitglied in einem oder mehreren dieser Clubs zu werden, empfiehlt sich auf alle Fälle, da man so schnell Freunde findet, die einem das wahre Leben in Australien vermitteln können.

Danach fing dann der Ernst des australischen Studentenlebens an und die Vorlesungen begannen. Generell ist man im dortigen Studiensystem wesentlich geforderter als in Deutschland. Für jede Vorlesung sind, neben den in Deutschland ja auch üblichen Übungsblättern, weiterhin ein Programmierprojekt, ein bis zwei Hausarbeiten, eine schriftliche Prüfung in der Mitte des Semesters, eine schriftliche Prüfung am Ende des Semesters sowie in manchen Vorlesungen zusätzlich noch Seminarvorträge zu absolvieren. Bei drei Vorlesungen ist man also schon ganz schön beschäftigt, v.a. wenn man von Deutschland her zu sehr gewöhnt ist, genügend Zeit zu haben, seine Aufgaben so erledigen zu können, daß man selber damit zufrieden ist. Dies ist im australischen System oftmals nicht möglich. Dort heißt es, unter Zeitdruck das beste zu liefern, was unter den gegebenen Umständen machbar ist. Vielleicht ja eine Arbeitsweise, die der Realität in der Arbeitswelt mehr entspricht…

Während des ersten Semesters habe ich bereits an meinem Projekt gearbeitet, wenngleich ich auch mit Sicherheit mehr Zeit auf den Vorlesungsbetrieb verwendet habe. Da ich nur für ein Semester am Austausch teilnahm, habe ich mir nach Abschluß des Semesters erstmal vier Wochen Zeit für eine kleine Reise durch Australien ge-nommen. Danach bin ich für weitere zwei Monate an das Department zurückgekehrt und habe Vollzeit an einem Projekt gearbeitet, bevor ich im Oktober nach Deutschland zurückgekehrt bin. Großer Vorteil meines Auf-enthaltes war es, daß ich die in Sydney absolvierten Vorlesungen, dank der immer stärker international ausge-richteten Informatikfakultät, ohne größere Schwierigkeiten als Teil meiner Hauptdiplomsprüfungen an der Uni-versität Passau einbringen konnte.

Neben meinen vier Wochen Urlaub, hatte ich an den Wochenenden in der Regel viel Zeit, mit Freunden die Umgebung von Sydney und viele Nationalparks von New South Wales zu erkunden. Australiens Landschaft ist unbeschreiblich faszinierend, was sicher zu großen Teilen an der Unberührtheit und Einsamkeit liegt, die einem als Europäer ja völlig fremd ist. Die Kombination mit warmen Wetter (die einem als Mitteleuropäer ebenfalls nicht sonderlich geläufig ist) sowie die einzigartige Fauna und Flora des Kontinents fesselt einen sofort. Her-vorzuheben ist weiterhin die Freundlichkeit und Geduld der Australier, die einem das Eingewöhnen in ein fremdes Land mit einer fremden Sprache sehr leicht macht.

Mitte Oktober habe ich also meine Sachen gepackt und bin - zugegebenermaßen schweren Herzens - wieder heim nach Passau. Ich hatte dank der Internationalität sowohl der University of NSW als auch Sydneys viel gelernt über andere Kulturen, hatte interessante Leute aus allen Ecken der Welt kennengelernt, eine exzellente Bildung erhalten, faszinierende Landschaften gesehen und eine neue Sicht auf viele Dinge entwickelt. Dank dieser positiven Erfahrungen sollte es auch nicht allzu lange dauern, bis ich wieder mit viel Gepäck ein Flugzeug nach "down under" bestieg. Im August 1998 bin ich nach Australien zurückgekehrt und meine Promotion an der University of Melbourne mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes begonnen. Meine Erfahrungen dort gibts in einem der kommenden Newsletters zu lesen... (Inga Sitzmann)