Erfahrungsbericht

Jura - Monash University

Katrin Weissgrab


Studieren an der Monash Universität in Melbourne hat mich endlich auf den richtigen Weg der Organisation meines Studiums gebracht. Im Zeitalter der modernsten Technik, setzt Monash ein bemerkenswertes Beispiel. Den Studenten ist es erlaubt, bereits während der Vorlesung mit ihren Laptops mitzuarbeiten. Dies bringt so manche Vorteile, insbesondere, wenn einem die Gabe des Schönschreibens leider nicht mitgegeben wurde. Des weiteren wird mehr mit den Unicomputern und dem Internet selber gearbeitet. In den Vorlesungen werden über Power Point die markanten Punkte der Vorlesung festgehalten und auf dem Bildschirm für jeden erkennbar dargestellt. In internationalen Studienfächern, wie International Law und Human Rights wurde auch mit dem Internet selber gearbeitet, was insofern vorteilhaft war, daß man die Seiten für eventuelle Hausarbeiten dann schon kannte. Aber selbst wenn diese Möglichkeit vom Lektor nicht genutzt worden war, gab es eine Hilfestellung der Lektoren an die Studenten, indem Reading Guides zu Beginn der Vorlesung ausgeteilt wurden. Dort wurde detailliert geschildert, was von den Studenten das Semester über erwartet wird. Für mich war das eine große Hilfestellung, zumal die Lektoren sehr auf ihre eigene Fachliteratur bezogen waren. Es ist ein Entgegenkommen, keine Vereinfachung, schließlich besteht man dort erste einen Schein, wenn man die 50 % Hürde geschafft hat. Außerdem wurden die meisten Vorlesungen auf Kassette aufgenommen. Wenn ich also in der Vorlesung nicht mitgekommen bin, oder einiges nicht richtig mitbekommen hatte, konnte ich mir das ganze noch einmal online anhören. Im Netz gab es viele Hinweise auf Literatur und Texte. Besonders hilfreich fand ich, daß die Lektoren ihnen wichtige Texte und Verfassungen kopierten und an der Bibliothekstheke als Kopiervorlagen hinterlegten.

Die Vorlesungen selber dauerten entweder 55 Minuten oder 90 Minuten, meist wurden beide Varianten den Studenten angeboten. Die Grundkurse, wie Straf und Zivilrecht wurden in kleineren Gruppen gehalten, im Zivilrecht gab es dazu noch Tutorien, während man sich im Strafrecht ganz auf die Vorlesung mit integrierter Übung beschränkte.

Die Studenten wählen die Kurse nach Jahren. Im Vorlesungsverzeichnis ist angegeben, in welchem Jahr und unter welchen Voraussetzungen der Kurs belegt werden kann.

Sehr gut fand ich, daß die Examen "open book" verlaufen, man also alle seine Unterlagen mit in die Prüfung nehmen kann. Natürlich lohnt sich das nur, wenn man seine Aufzeichnungen sehr gut kennt und eine gewisse Organisation darin hat. Außerdem wurde den Studenten in fast allen Fächern angeboten, entweder im Semester einen Aufsatz zu schreiben, der mit 25% in die Bewertung einging, und dementsprechend ein Examen mit einer Bewertung von 75%, oder aber die Möglichkeit zu ergreifen nur das Examen mit einer 100%en Bewertung zu schreiben. In einigen Fächern allerdings hatte man nicht die Wahl, wie zum Beispiel in Forensic Medicine. Ich selber hatte in Human Rights einen Aufsatz geschrieben, während ich in International Law das 100% Examen schrieb. Im Endeffekt bin ich mit dem 100% Examen besser gefahren, aber das ist individuell zu unterscheiden. Zu den Examen wäre noch zu sagen, daß diese erst nach Vorlesungsende, ca. eine Woche später, anliefen. Es gab also eine gesonderte, nicht in die Vorlesungen eingebundene Klausurenperiode. So konnte man sich voll und ganz auf diese konzentrieren. Witzig war dabei, daß diese Klausuren, aufgrund der Masse an Studenten, auf dem Race Course in Caulfield stattfanden. Es befanden sich an die 1000 Studenten verschiedenster Studiengänge in einem riesigen Saal. Jeder Student hatte eine Platznummer zugewiesen bekommen, bei der er sich einfinden mußte. Das Arbeitsblatt wartete bereits auf ihn oder sie! Eigene Blätter durften nicht verwendet werden. Ältere Damen und Herren waren zur Aufsicht da. Werde ich doch nie ihren atemraubenden Parfümgeruch vergessen, wenn sie alle 15 Minuten an einem entlang durch die Reihen gingen. Die Tische und Stühle waren so angeordnet, daß man nirgends hätte abschreiben können: Einzeltische mit einem Meter Abstand in alle vier Himmelsrichtungen.

Die Prüfungsergebnisse wurde prinzipiell nicht bekannt gegeben, die konnte man sich ganz persönlich mit seiner ID im Internet abrufen. Auch gibt es keine endgültige Prüfung, wie das deutsche Staatsexamen. Mit Erwerb der jeweiligen Scheine am Ende der Semester ist die Leistung ausreichend. Dementsprechend müssen die Studenten entscheiden, in welche Richtung sie später einmal gehen möchten, denn sie haben nur diese Scheine zum Vorzeigen und nach diesen werden sie eingestellt. Sehr häufig traf ich Studenten, die ein Doppelstudium führten, neben Recht auch noch Wirtschaft studierten, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Zum Schluß möchte ich noch kurz erwähnen, daß es viel leichter war mit den Lektoren ins Gespräch zu kommen. Zum einen waren die meisten meiner Lektoren sehr jung, hatten nach der Vorlesung immer Zeit, oder man konnte auch kurz über Haustelefon anrufen und persönlich, ohne Voranmeldung bei irgendeiner Sekretärin, an ihren Zimmern vorbeischauen. Darüber hinaus hatte ich anfangs wirklich starke Probleme damit, daß sie den Studenten das DU anboten, man sie also mit den Vornamen anreden sollte. Es ist sehr schwer für eine Deutsche, die Professoren nicht einmal mit HERR anzureden.

Ich hatte das große Glück über meinen Strafrechtsprofessor an ein Projekt zur Praxisorientierung zu kommen. Uns wurde ein Fall zugewiesen, den es zu bearbeiten galt. In einem Legal Help Service gab man uns die Möglichkeit, einem nachgestellten Fall zu ermitteln mit Klienteninterview, Beratungsschreiben und Verteidigung vor Gericht. Dafür erhielten wir ein Zertifikat. Es gab sogar die Möglichkeit das ganze in Real mitzumachen. Ein Kurs wird im 5. Jahr angeboten, wo die Studenten unter Betreuung von Supervisoren Fälle vor dem Magestrate's Court verhandeln. Einige Mal hatte ich die Gelegenheit, dies mitzuerleben. Die Studenten waren zwar alle super nervös, aber sie sagten alle, daß es eine tolle Erfahrung sei, und zeigt, ob sie das später einmal machen möchten.

Persönlich hat mir das Jahr in Melbourne sehr viel gebracht, die Uni hat viel Spaß gemacht, der Campus war riesig, mit vielen Möglichkeiten zwischen den Vorlesungen zu entspannen, und ich glaube, daß diese Erfahrungen mir noch mehr Motivation für mein Studium hier in Deutschland gegeben haben.

Was mir an der Uni in Melbourne außer dem Studium an sich sehr gefallen hat, war zum einen die Aufmerksamkeit, die den Exchange Students durch den Exchange Club gewidmet wurde, zum anderen aber auch das vielfältige Freizeitangebot. Es gab es viele sportliche Aktivitäten direkt auf dem Campus; in künstlerischer Richtung konnte ich meiner Töpferei nachgehen. Nur mit dem Rudern hat es nicht geklappt, weil man dazu dann doch in die Stadt mußte und die Saison auch gerade vorüber war.

Ja, und der Exchange Club hat mir persönlich sehr geholfen, mich zurecht zu finden. In der Orientierungswoche werden Mentoren organisiert, die die Exchange Students in der Stadt herumführten und den Campus erklärten. Außerdem konnte man bereits vor der Anreise per Email einige Fragen loswerden, die einem brennend auf dem Herzen lagen. Während des Semester gab es Aktivitäten wie bar nights, pub crawls, Camps in Daylesford und Wilson's Promp sowie information fairs, auf denen die Austauschstudenten ihre Heimuniversitäten vorstellen konnten.

Ich habe nicht nur die Aktivitäten sehr genossen, sondern auch gute Freunde dadurch gewonnen. Daneben hatte die Möglichkeit sowohl Australier, als auch Studenten aller Nationen kennen zu lernen. Diese Erfahrungen haben mich so sehr inspiriert, daß ich mich entschlossen habe, auch hier in Passau einen Exchange Club zu gründen. Unsere Bemühungen stehen noch am Anfang, aber wir hoffen, daß wir die ersten 50 Austauschstudenten im kommenden Semester genauso lieb betreuen, wie mir das in Melbourne widerfahren ist.

Allgemein wäre vielleicht noch zu sagen, daß Monash University in 5 Campuse eingeteilt ist, wobei Jura meist nur auf dem Clayton Campus gelehrt wird. Der Clayton Campus liegt allerdings weiter von der City entfernt: ca. eine halbe Stunde mit dem Zug, anschließend noch eine kurze Busfahrt. Wer also gerne an der Uni arbeitet, auch viel in die Bib und Computerräume geht, wird sich sicherlich eine Wohnung nahe der Uni suchen. Andere, die das Leben in der City sehen möchten, nehmen dann eher den langen Weg in Kauf.

Historisch gibt es in Melbourne sehr viel Sehenswertes. Der Fluß und der Botanische Garten geben viel Platz zum entspannen. Melbourne an sich ist sehr konservativ, und sehr ruhig am Sonntag. Geliebt habe ich es, nachts um 3 Uhr, oder Sonntags einkaufen zu gehen, da die Supermärkte 24 h geöffnet sind. Gut einkaufen kann man in Richmond, gut weggehen in St. Kilda, wobei dies einen schlechten Beinamen als Rotlichtmilieu hat. Bei meinen nächtlichen Ausflügen konnte ich diesen Ruf allerdings nicht bestätigt finden. Für die Schnäppchenjagd ist der Victoria Market zu empfehlen, er findet an fünf Tagen die Woche in der Innenstadt statt. Als letztes sei noch zu bemerken, daß es nicht weit zum Strand und zur Küste ist, wenn man vom Stadtstrand absieht. Die Strände sind super schön und sauber und meist findet sich auch immer ein oder eine nette(r) Mitstudent(in), die einen gerne mitnehmen. Insbesondere im Exchange Club hatte ich solche lieben Freunde gefunden. So etwas weiß man auch sehr zu schätzen. Einmal um die ganze Bay mit Fährenübersetzung ist schon schön.

Wettertechnisch bitte auch auf Winter einstellen! Es ist nicht nur warm und heiß, sondern es kann auch sehr kalt werden, bis 6 Grad. Also bei der Wohnungssuche auf Backstein oder Zentralheizung achten! So, ich glaube das ist es nun. Doch könnte ich ewig weiter berichten, denn es gibt so Vieles, was man in einem Jahr erlebt. Ihr könnt sicherlich genauso ein davon Lied singen.

Katrin Weissgrab