...viel Arbeit schon während des Semesters

Erfahrungsbericht über einen fünfmonatigen Aufenthalt an der University of New South Wales 2002

S. Folz


Wenige Tage nach den letzten Klausuren an meiner Heimatuni, der Hochschule für Bankwirtschaft in Frankfurt am Main, ging es auch schon los Richtung Australien. Eigentlich war vor dem Abflug noch alles viel zu hektisch, um sich Gedanken zu machen, aber gespannt war ich schon, was mich erwarten würde. Den Flug habe ich besser überstanden als erwartet. Dank des DeAN-Qantas Reisestipendiums durfte ich nicht nur kostenfrei reisen, nein, es wurde mir sogar gestattet von Frankfurt bis nach Singapur Business Class zu fliegen. [Eine großzügige Ausnahme von Qantas, da die Economy Class ausgebucht war; Anmerkung der Redaktion.] Hervorragend! Nicht nur wegen meiner Größe (1,97m) kam mir das natürlich sehr entgegen. So ziemlich der erste Flug, bei dem ich richtig entspannen und zudem noch ein Nickerchen machen konnte.

In Sydney angekommen war ich zunächst überrascht von der guten Organisation meiner Austauschuni. Schon um sechs Uhr früh war der "Airport Information Desk" der University of New South Wales (UNSW) mit einer für diese Uhrzeit sehr freundlichen und hilfsbereiten Dame besetzt. Dort wurde mir ein "Welcome Package" überreicht und Informationen über das weitere Procedere übermittelt. Außerdem organisierte die nette Dame noch einen Shuttle-Service für mich, der mich zu meiner ersten Anlaufstelle bringen sollte. Zwei Freunde aus Frankfurt, die auch in Sydney studieren wollten, hatten sich schon von Deutschland aus eine Unterkunft besorgt, kamen aber erst eine Woche nach mir in Sydney an. Dadurch war für mich erst einmal gesichert, wo ich die ersten Nächte verbringe. Zudem bedeutete dies weniger Stress, da ich nicht unter Zeitdruck eine eigene Wohnung finden musste.

Stressig genug war die Wohnungssuche aber dennoch. Das Problem ist, dass der Wohnungsmarkt in Sydney überschwemmt ist. Das Angebot ist riesig, wobei ein großer Teil der Unterkünfte jenseits von gut und böse ist. Die ersten Tage habe ich damit verbracht, richtig Kilometer abzureißen, bei einem Makler nach dem anderen anzuklopfen und ein gutes Dutzend Wohnungen zu besichtigen. Die Real Estate Agents sind hier nicht wirklich hilfsbereit. Sie verwalten die Immobilien mehr, als dass sie Service anbieten. No worries, mate. Lustigerweise erschien das gleich am ersten Tag besichtigte Appartement geradezu als Schmuckkästchen, besonders im Vergleich zu einigen Härtefällen, die man in Deutschland wohl so nicht vermieten könnte. Die Umgebung kann sich auch sehen lassen. Direkt in Bondi, ca. 20 Minuten zu Fuß zum Strand und gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Eine Sorge also weniger.

Bald sollte dann auch schon die Uni anfangen. Zunächst mit einer Orientierungswoche, was an der UNSW für internationale, nicht-asiatische Studenten allerdings in zwei Tagen abgehandelt wurde. Meiner Meinung nach aber völlig ausreichend. Ohnehin waren die Leute im Study Abroad Office sehr hilfsbereit und sowohl für die Kurswahl, als auch für generelle Informationen jederzeit ansprechbar. Die erste Vorlesungswoche bedeutete dann erstmal einen Schock für den Geldbeutel. Für jedes Fach mindestens ein Textbuch, teilweise noch zusätzliche "Study Kits". 100 australische Dollar waren da ruckzuck für einen Kurs weg. Der Buchladen auf dem Campus brummte nur so in der Anfangszeit. Sich beschweren hilft da wohl nichts, dachte ich mir, alle anderen sah man ja auch mit Stapeln von Büchern aus dem Laden huschen.

Mit der UNSW war ich insgesamt sehr zufrieden. Nicht nur mit dem Service des Study Abroad Offices und dem wunderschönen Campus, sondern auch mit dem Kursangebot und der Lehrqualität im Commerce Bereich, insbesondere in Finance. Als deutscher Student, der gewohnt ist, brav Vorlesungen zu besuchen und dann am Ende des Semester 100% für die Klausur zu geben, muß man ein wenig umdenken. Die Kurse sind alle so aufgebaut, dass viel Arbeit schon während des Semester anfällt. Eigentlich vergeht kaum eine Woche, in der man außer den normalen Readings nicht irgendwelche "assignments", "group projects", "presentations" oder Ähnliches abliefern muss. Das hat natürlich den Vorteil, dass man am Ball bleibt und nicht während des Semesters unterwegs verloren geht. Andererseits würde man sich als internationaler Student wünschen, ein bisschen flexibler sein zu können, um mehr Reisetrips einzustreuen.

Da während des Semesters aufgrund der Vielzahl der zu erledigenden Tasks kaum an Kurztrips zu denken ist, beschränkt sich das Reisen auf die "Mid Session Break" und die Zeit nach den letzten Klausuren. Während des einwöchigen "Mid Terms" bin ich mit Freunden von Adelaide aus per Mietwagen Richtung Melbourne gefahren. Highlight war natürlich die Great Ocean Road mit den zwölf Aposteln. Nach Melbourne hatten wir noch drei Tage Zeit für Tasmanien. Leider, leider viel zu kurz, um die volle Pracht dieser wunderschönen Insel auszukosten. Die Nationalparks sind einfach der Wahnsinn: eindrucksvolle Landschaften, Natur pur.

Inzwischen habe ich die letzten Klausuren an der UNSW überstanden. Das heißt natürlich, dass ich noch so viel wie möglich vom Land mitnehmen muss, bevor es Mitte Dezember wieder nach Deutschland geht. Vor mir steht nun eine zweiwöchige Tour von Sydney nach Cairns mit Stationen wie Surfer's Paradise, Fraser Island und den Whitsundays.

Insgesamt finde ich, dass die fünf Monate hier viel zu schnell vergangen sind. Ich kann mich noch nicht richtig damit anfreunden, dass ich Sydney schon bald verlassen muss. Die Stadt ist einfach klasse und hat so viel zu bieten, dass man es gar nicht schafft, alle Attraktionen in ein paar Monaten zu erleben. In jedem Fall kann ich auf eine wunderschöne Zeit zurückblicken, die wohl ein einzigartiges Erlebnis in meinem Leben darstellt. Vielen Dank an dieser Stelle an DeAN und Qantas, die mich dabei unterstützt haben, dies möglich zu machen.