Internationales Marketing

Universität Swinburne in Melbourne, Australien.

Marei Lange


Das letzte Semester meines Masterstudiengangs "Internationales Marketing" an der European School of Business (FH Reutlingen) verbrachte ich an unserer Partneruniversität Swinburne in Melbourne, Australien.

Melbourne, mit seinen ca. 3,5 Millionen Einwohnern, ist trotz seiner Größe eine sehr gemütliche Großstadt. Besonders die malerischen Stadtviertel St. Kilda und South Yarra mit ihren Pubs und kleinen Läden, in denen man alles Mögliche und auch Unmögliche kaufen kann, hatten es mir angetan. Der Queen Victoria Markt mit seinen unzähligen kleinen Ständen und kulinarischen Köstlichkeiten ist auch ein Muss in Melbourne und findet mehrmals in der Woche statt. überhaupt die Ladenschlusszeiten: Gerade die Möglichkeiten zum mitternächtlichen Einkauf werden mir fehlen; zu fast jeder Tageszeit konnte man fehlende Lebensmittel stressfrei besorgen.

Die Swinburne University of Technology hat sechs Campusse über die Stadt verteilt; ich befand mich auf dem Lilydale Campus. Lilydale ist ein Vorort von Melbourne und etwa eine Stunde von Melbourne-City entfernt. An der Uni hatte ich zwei Undergraduate-Kurse und zwei Postgraduate-Kurse belegt. Die größten Schwierigkeiten hatte ich zu Anfang damit, meine Professoren mit ihren Vornamen anzureden. Auch war das Verhältnis unter den Studierenden viel lockerer als an deutschen Universitäten.

Auf dem Lilydale Campus gibt es ein Mentoren-Programm. Darin kümmern sich australische Studenten um die Exchange Students, organisieren Gruppenaktivitäten, wie z. B. den Besuch eines Australian Football-Matches. Australian Football ist bei Jung und Alt in Australien sehr beliebt. Als Neuankömmling lernt man so Land und Leute unkompliziert kennen, .ndet Ansprechpartner und Freundschaften. Zu den Angeboten für Austauschstudenten gehören auch zahlreiche Trips in die nähere Umgebung. So waren wir z.B. bei der bekannten Pinguin Parade auf Phillip Island und im Healesville Wildlife Sanctuary, um die verschiedenen für Australien typischen Tierarten wie Koalas, Wombats und Kängurus zu sehen. Das angelsächsische Universitätssystem mit seinen vielen und regelmäßigen Studienanforderungen (weekly questions, essays, research reports, etc.) war eine deutliche Umstellung vom Gewohnten und recht zeitintensiv. Während mich Anfangs der scheinbar leere Stundenplan begeisterte, stellte sich schnell heraus, dass man viel Zeit in die Vor- und Nachbereitung stecken musste. Ich war sehr an den PC gebunden und entwickelte so spätestens gegen Ende des Austauschsemesters eine "Computerphobie". In der Folge gerieten die E-Mails nach Deutschland immer kürzer. Sorry, Freunde, für die reduzierte Anzahl an E-Mails. Ich musste eben mehr Zeit in die Uni investieren als zuvor geplant und "dank" zweiwöchigen Samstagsunterrichts konnte ich leider auch nicht so viele Kurztrips unternehmen wie zuvor geplant.

Lilydale liegt inmitten der Yarra Valley Weinregion - was lag für mich also näher, als meine Masterarbeit über die australische Weinindustrie zu verfassen? Für meine Arbeit habe ich verschiedene Weingüter im Yarra Valley besichtigt und Recherche betrieben. Meine Interviewpartner dort waren freundlich und die Gespräche informativ, was mir hinsichtlich meiner Masterarbeit sicher sehr hilfreich sein wird. Ich verstehe so nun auch besser, wie sich die Australier im Geschäftsleben verhalten. Yarra Valley ist für seine qualitativ hochwertigen Weine bekannt und die Weinstrasse ist auch empfehlenswert, wenn man nicht über die Weinindustrie schreibt. Ein großer Vorteil ist zweifellos, dass die verschiedenen Weingüter in der Nähe von Melbourne und dicht beieinander liegen.

Das "midsemester break" habe ich genutzt, um meinen Tauchschein in Cairns zu machen ein einmaliges und auch bezahlbares Erlebnis! Schwimmen mit Meeresschildkröten inklusive. Wenn ich schon dabei bin: Cape Tribulation ist ebenfalls eine Reise wert und ich kann jedem auch nur empfehlen, einmal eine Nacht im Outback zu verbringen - unter freiem Sternenhimmel.

Alles in allem war es eine wunderschöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Der Aufenthalt hat mir wichtige Perspektiven für meine berufliche Laufbahn aufgezeigt. So werde ich sicherlich meine interkulturellen Erfahrungen im Umgang mit Australiern in meinem späteren Berufsleben nutzen können; z.B. weiß ich jetzt, was unter einem Report verstanden wird oder auch, dass die Uhren in Australien zuweilen ein bisschen langsamer ticken. Mit der gebotenen Offenheit, Flexibilität und Akzeptanz gegenüber einem fremden Land mit anderen Sitten und Gebräuchen, kann man eine tolle Zeit verleben. Ich denke, dass mich der Aufenthalt auch für mein weiteres Leben geprägt hat: Ich habe nette Freundschaften gewonnen und ein großartiges Land kennengelernt. Mein Horizont hat sich in dieser Zeit sicherlich erweitert.

Ganz herzlich möchte ich mich insbesondere bei Qantas Airways und DeAN e.V. für das Stipendium bedanken. Zusätzlich hatte ich das Glück, dank Qantas Airways 10 kg Extragepäck mitnehmen zu dürfen [Eine freundliche Ausnahme von Qantas Airways - Anmerkung des Editors]. Dies erwies sich insbesondere auf dem Rückflug als echte Erleichterung, denn in vier Monaten sammelt sich schon so Einiges an... Vielen Dank für diese Chance!