Praktisches Jahr im Fach Medizin Down Under

Erste Station: Hobart

Philipp Daumke


Zwischenbericht meines Studienaufenthaltes in Hobart

Ich heiße Philipp Daumke, bin 26 Jahre alt, und absolviere gerade mein letztes Studienjahr - das Praktische Jahr (PJ) - im Fach Medizin, unterstützt durch das DeAN-Qantas- Reisestipendium. Vier Monate davon verbringe ich in Hobart, zwei Monate in Melbourne und zwei Monate in Brisbane. Von meinen Erfahrungen in Hobart möchte ich hier in einem Zwischenbericht erzählen.

Warum Hobart?

Schon lange zog es mich nach Australien, gelockt von guten Universitäten, einzigartiger Naturund freundlichen Menschen. Daher begann ich ca. neun Monate im Voraus, mich an den Medical Schools in Australien zu bewerben. Unter anderem stieß ich dabei auf die Universität von Tasmanien in Hobart. Gehört das überhaupt zu Australien? Nach ein paar Stunden Recherche war ich von Tasmanien überzeugt. Die dortigen Studenten scheinen mit ihrer Medical School sehr zufrieden und die Studiengebühren sind mit AUD 275,00 pro Woche für deutsche Verhältnisse zwar immens, aber im Vergleich zu den anderen Medical Schools auf dem Mainland deutlich günstiger. Dazu verspricht die Insel Tasmanien eine einzigartige Natur mit allem was das Herz begehrt: weiße Strände, schneebedeckte Berge, Regenwälder...

Rund um die Bewerbung

Die Medical School in Hobart hat eine übersichtliche Homepage für Overseas Students eingerichtet, um alle Fragen rund um die Bewerbungen zu beantworten (www.healthsci.utas.edu.au/medicine/electives/). Hier erfährt man, was man für die Bewerbung benötigt (Application Form, Dean's Letter, Medical Malpractice Insurance usw.). Erhält man schließlich seinen gewünschten Studienplatz, benötigt man ein spezielles Visum (Occupational Trainee - subclass 442), für das die Medical School eine Nomination beim nächstgelegenen Department of Immigration (DIMIA) beantragen und an den Bewerber weiterleiten muss. Zwecks Unterkunft kann man sich bei der Universität um eine Studentenwohnung bewerben (AUD 125,00 pro Woche) (TUU.Housing@utas.edu.au). Diese sind allerdings teilweise schon Monate vorher ausgebucht. Ich bewarb mich erst drei Monate im Voraus für ein Zimmer und ging bereits leer aus. Privatunterkünfte findet man in der Lokalzeitung "The Mercury" ab ca. AUD 100 pro Woche, allerdings ist das Angebot nicht besonders groß. Als Reiseführer kann ich das "Australien Travel Handbuch" aus dem Stefan Loose Verlag und den Lonely Planet "Tasmania" empfehlen.

Der Flug

Die Qantas-Mitarbeiter waren während meiner Vorbereitungen überaus freundlich und organisierten alle meine Flüge nach meinem Belieben. Sie gestatteten meiner Freundin Sarah, die mich in Australien begleitet, und mir 10 kg Extragewicht und kostenloses Umbuchen. Außerdem konnten wir ein paar Tage Zwischenstopp in Sydney einlegen. Am 26. September trafen wir uns dann mit Peter Werno und einigen anderen zum "Abschiedsphoto" am Flughafen, bevor wir uns auf den langen, aber angenehmen Flug nach Hobart machten.


Abbildung 1: Philipp Daumke (links) mit Freundin Sarah (2.v.l.) kurz vor dem Abflug

Wohnen und Leben in Hobart

Mit unserer Unterkunft hatten wir schließlich großes Glück. Nach zwei Minuten im Flugzeug fragte uns unser Sitznachbar, "was wir denn in Australien so machen". Am Ende des Fluges hatten wir die Telefonnumer seines Sohnes in der Tasche, der mit seiner Freundin in einem kleinen Haus in Sandy Bay (beliebte Wohngegend) lebt und uns dort ein Zimmer vermietete. Wir zahlten zusammen nur AUD 110,00 pro Woche und konnten alle Möbel, Fahrräder usw. mitbenutzen. Somit bekamen wir gleich einen ersten Eindruck von der australischen Gastfreundschaft. Die Menschen hier sind alle sehr freundlich und immer an einem Gespräch interessiert. Da Sarah samstags auf dem Salamanca Markt Eis verkauft hat, haben wir auch bald einige Freunde in Hobart gefunden. Allerdings sind viele Tasmanier bei Kontakten, die über die alltäglichen Freundlichkeiten hinausgehen, eher zurückhaltend. Eine Deutsche, die seit vielen Jahren in Tasmanien lebt, sagte einmal zu uns: "Man hat hier viele Bekannte, aber wenig echte Freunde." Ich bin gespannt, ob sich Tasmanier diesbezüglich von Mainland-Australiern unterscheiden.

Im Krankenhaus

Im Royal Hobart Hospital wurde ich sehr herzlich ins Team aufgenommen. Die Teams (Units) dort bestehen aus Consultants (Chef-/Ober-/Fachärzten), Registrars, Residents (Assistenzärzte) und Interns ( Ärzte im ersten Jahr). Sie alle waren gerne bereit, meine Fragen zu beantworten und mich in den Krankenhausalltag zu integrieren. Zunächst war ich ich in "General Surgery" tätig. Mein Tagesablauf startete mit einer morgendlichen Visite, anschließend ging ich entweder zum Assistieren in den OP, erledigte zusammen mit den Interns die Stationsarbeit (Zugänge legen, Untersuchungstermine organisieren, Medikationslisten und Entlassbriefe schreiben...) oder ich ging in die "Outpatient Clinic", um den Ärzten dort über die Schulter zu schauen. Selten waren unserer Unit mehr als fünf Patienten zugewiesen. Dies lag daran, dass das Krankenhaus in Hobart einen chronischen Bettenmangel zu haben scheint. Wartelisten über ein Jahr für Operationen sind hier somit normal. Auch verhindert eine gewisse australische Gemütlichkeit eine straffere Organisation des Krankenhausalltags. Bald kamen zwei weitere deutsche Studenten in mein Team. So waren wir schließlich vier Ärzte, drei Studenten und drei Patienten, was mich dazu bewog, für ein paar Wochen ins orthopädische Team zu wechseln. Dort assistierte ich ebenfalls im OP oder untersuchte ambulante Patienten, um sie anschließend meinen Ärzten zu präsentieren. Ich war etwas enttäuscht, dass uns Studenten im Krankenhaus keine Verantwortung übertragen wurde bzw. die geringe Patientenanzahl es gar nicht zuließ, regelmäßig eigene Aufgaben zu übernehmen. So durfte ich keine Formulare unterschreiben und keinerlei Entscheidungen selbständig treffen. Das alles hinderte mich leider daran, ein vollwertiges Mitglied in dem Team zu werden und gab mir oft das Gefühl, eben doch nur ein Gast zu sein. Wieviel ich im OP selbst machen durfte, hing vom jeweiligen Chirurgen ab. Meistens hatte ich weniger Glück und musste mich auf Wunden zunähen und Haken halten beschränken. Gut gefallen hat mir, dass man in alle Bereiche, die hier angeboten werden, hineinschnuppern kann. Die Ärzte sind allesamt sehr freundlich und hilfsbereit und erklären gerne alles, was man wissen möchte. Die typisch deutschen Hierarchien gibt es hier nicht, so dass eine sehr angenehme Arbeitsathmosphäre herrscht.

Die Insel Tasmanien

Hobart, die Hauptstadt mit ca. 150 000 Einwohnern, ist eine gemütliche Stadt am Fuße des Mt Wellington mit einem Hafen, einem schönen Markt ("Salamanca-Market"), einigen Bars und Night Clubs. Großstadtleben findet man hier nicht. Tasmanien bietet eine Menge Natur und hat ca. 20 Nationalparks mit Berglandschaften, Seen, Steilküsten oder Stränden. Seine Freizeit verbringt man in Tasmanien somit mit Bushwalking, allen Arten von Wassersport - und natürlich Barbecue. An der Universität gibt es dafür zahlreiche Sport- und Activity Clubs (www.its.utas.edu.au/org cas com.html), in denen man schnell Kontakte knüpfen und günstig Material ausleihen kann (Zelte, Surfbretter...). Zu unseren landschaftlichen Highlights zählten die Felsklippen auf der Tasman Peninsula, der Freycinet National Park mit der Wineglass Bay sowie eine Rundtour um die gesamte Insel, die uns die Vielfalt von Tasmanien besonders deutlich zeigte. Für Unternehmungen benötigt man ein Auto, da die öffentlichen Verkehrsmittel nicht sehr regelmäßig und nicht überall hinfahren. Wir haben einen '83er Holden Camira für 800 Dollar erstanden. Auf einer Fahrt vom Mt Wellington haben leider die Bremsen versagt und wir sind in eine Felswand gerast. Uns fünf im Auto ist nichts passiert, das Auto mussten wir zum Schrotthändler bringen. Anschließend sind wir auf Leihwagen umgestiegen.

Fazit

Das Krankenhaus kann ich für das Praktische Jahr nicht empfehlen, gerade auch in Anbetracht der teuren Studiengebühren. Die Insel Tasmanien ist landschaftlich wunderschön und absolut sehenswert. Sie bietet für Natur- und Wanderbegeisterte jede Menge Abwechslung. Von dieser Seite konnte ich meine Zeit hier in Tasmanien in vollen Zügen genießen. Ich freue mich auf weitere spannende Monate in Australien und hoffe, dass wir weiterhin soviel Glück haben wie bisher (und mit den Krankenhäusern in Melbourne und Brisbane ein bisschen mehr Erfolg). Für alle Fragen stehe ich gerne zur Verfügung (daumkep@web.de).

Liebe Grüße aus Hobart, Philipp Daumke