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"Erfahrungsbericht im Fach MedizinPraktisches Jahr in Melbourne und BrisbanePhilipp Daumke |
In einem Zwischenbericht hatte ich im letzten Newsletter (1/2004) über meine tolle Zeit in Tasmanien berichtet. Mein zweites Tertial, in dem ich die Fachrichtung Anästhesie wählte, verbrachte ich in Melbourne und in Brisbane.
Der Grund für die Aufteilung auf zwei Städte lag darin, dass australische Universitäten ausländische Medizinstudenten oft nur für zwei Monate als Gaststudenten akzeptieren. Will man länger bleiben, werden Studiengebühren von ca. AUD 500,- pro Woche erhoben.
In Melbourne gibt es zwei Medical Schools, zum einen die Universität von Melbourne und zum anderen die Monash Universität. Über die Adressen und Ansprechpartner der Lehrkrankenhäuser der Universität von Melbourne können sich Studenten auf folgender Homepage erkundigen:
Die zwei Hauptlehrkrankenhäuser der Monash Universität sind
Nachdem ich mich an allen Lehrkrankenhäusern bewarb, bekam ich Zusagen von beiden Krankenhäusern der Monash University sowie eine Zusage am Austin Hospital, welches zur Universität von Melbourne gehört. Die Studiengebühren an den Monash Krankenhäusern betrugen AUD 500,- pro Woche, was für mich nicht in Frage kam, deswegen wählte ich das Austin Hospital, welches Gebühren von AUD 275,- für acht Wochen erhob.
Das Krankenhaus liegt in Heidelberg, etwa 12 km außerhalb der Innenstadt. Während meines Aufenthaltes wurde es umgebaut, ab 2005 wird auch das Mercy Hospital for Women auf diesen Campus umziehen. Für AUD 45,- pro Woche erhielt ich ein einfaches Zimmer im Studentenwohnheim mit Frühstück. Direkt am Krankenhaus ist ein Bahnhof, von wo aus halbstündlich (6-24 Uhr) Züge ins Zentrum und zurück fahren, die Fahrzeit beträgt ca. 25 min (2 h-Ticket: AUD 3,-, Tagesticket: AUD 5,80, Monatsticket: ca. AUD 93,-). An den Wochenenden fahren außerdem Nachtbusse (AUD 6,-) stündlich am Austin Hospital vorbei. Insgesamt ist die Lage des Krankenhauses also günstig, da man alle Sehenswürdigkeiten und Attraktionen in Melbourne bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann.
Das Krankenhaus besitzt zehn Operationssäle. Demgegenüber steht eine enorm große Anzahl von Anästhesisten (ca. 30-40), die zu ganz unterschiedlichen Zeiten und Tagen arbeiten, so dass ich sehr oft mit mir neuen Ärzten zusammenarbeitete. Die Operationslisten beginnen morgens um 8.30 Uhr. Ich konnte die Ärzte bei den Aufklärungsgesprächen mit Patienten am morgen begleiten (ca. 7.30 Uhr) oder im OP beginnen (ca. 8.00 Uhr). Zu eigenverantwortlichen Aufklärungsgesprächen wird man als Student nicht eingeteilt.
Die Sekretärin teilte mich mit in den Dienstplan ein und wies mich somit immer einem OP-Saal und dem entsprechenden Anästhesisten zu, was ich als hilfreich empfand. Der Wochenplan diente mir jedoch nur als eine grobe Einteilung: ich durfte nach Belieben zwischen den verschiedenen Sälen wechseln, je nachdem welche Anästhesie oder Operation mich interessierte. Die Operationen entsprachen dem typischen Spektrum eines allgemeinen Lehrkankenhauses. Mehrmals pro Woche wurden Herzbypässe operiert, was aus Sicht der Anästhesie etwas aufwändiger und spannender ist, da die Patienten einen arteriellen Zugang sowie einen zentralvenösen Katheter (ZVK) und Pulmonaliskatheter erhalten.
Die meisten Ärzte waren sehr freundlich zu mir und gerne bereit, meine Fragen zu beantworten. Meine praktische Tätigkeit bestand großteils im Intubieren und im Legen venöser Zugänge. Darüber hinaus durfte ich einige Male Spinalanästhesien durchführen und arterielle Zugänge sowie ZVKs legen. Alle anderen Techniken (Epiduralanästhesie, Nervenblockaden...) durfte ich nicht durchführen oder habe ich in meiner Zeit am Krankenhaus nicht gesehen. Wie auch in Tasmanien werden den Studenten keine eigenverantwortlichen Tätigkeiten und Pflichten übertragen.
Zweimal wöchentlich findet ein "Lunch-Talk" statt, bei dem ein Arzt einen aktuellen Artikel präsentiert. Montag vormittags ist außerdem ein Tutorial für die jungen Registrars. Ein Arzt absolviert täglich eine "Pain Round", der man sich anschließen kann. Auf Wunsch kann man auch eine Zeit lang auf der Intensivstation arbeiten. Ich verbrachte dort allerdings nur zwei Vormittage, da die Ärzte dort keine Zeit für mich fanden.
Nach zwei Monaten habe ich einen guten Überblick über das Fach Anästhesie bekommen. Gerne hätte ich allerdings öfter Regionalanästhesien durchgeführt und zentrale Katheter gelegt, was mir leider nur wenige Ärzte erlaubten.
Melbourne ist großartig. Auf den ersten Blick mag einem Sydney schöner erscheinen, doch bald schon habe ich begonnen, diese Stadt zu lieben. Es herrscht eine entspannte Atmosphäre, die Stadt ist sehr sauber und sicher, außerdem gibt es viele Parks und Grünflächen, so dass Melbourne regelmäßig zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt wird. Fast wöchentlich finden in der Stadt Festivals und Großereignisse statt, z.B. Australian Open Tennis, Formel 1 Grand Prix, Moomba Waterfest, Comedy Festival, Fashion Festival usw. Auch Einkaufen und Ausgehen läßt es sich in Melbourne mit unzähligen Shops, Bars und Clubs aufs Beste.
In der Umgebung liegen im Westen die Great Ocean Road mit den Zwölf Aposteln und vielen Surfstränden wie Bells Beach, im Osten die Insel Phillip Island sowie der Wilsons Promontory National Park, im Inland lädt der unter anderem der Grampians National Park zum Bushwalking ein.
In Brisbane kann man sich über die "Postgraduate Medical Education Foundation of Queensland" (PMEFQ, http://www.pmefq.com.au) bewerben. Diese organisiert den Studenten nach Möglichkeit einen Platz an dem Krankenhaus der Wahl und stellt deutschen PJ Studenten auch die Gleichstellungsbescheinigung mit aus-tralischen Studenten aus (mit Universitäts-/Stiftungssiegel), die für das einheimische Prüfungsamt benötigt wird. Die Kosten für acht Wochen betragen AUD 385,-.
Ich bekam eine Zusage am Mater Hospital, einem zentral in Brisbane gelegenem kleinen Lehrkrankenhaus der Universität von Queensland. Die City ist bequem zu Fuß zu erreichen. Außerdem verkehren regelmässig Busse (AUD 1,80 pro Fahrt, AUD 15,- Zehnerkarte). Die Studentenunterkunft war sehr sauber, es wurde Frühstück angeboten und sie kostete lediglich AUD 23,65 pro Woche. Leider wird sie ab Juli 2004 schließen. Da auch die zwei großen Krankenhäuser (Royal Brisbane und Princess Alexandra Hospital) keine Unterkunft anbieten, müssen sich Studenten in Brisbane in Zukunft privat um Wohnungen bemühen.
Im Mater Hospital in Brisbane gibt es je zehn Operationssäle für Erwachsene und für Kinder, von denen aber selten mehr als je vier belegt sind. Darüber hinaus gibt es einen relativ großen Bereich für Geburtsheilkunde, in dem ebenfalls Anästhesisten arbeiten.
Der Alltag beginnt auch hier um ca. 8.00 Uhr morgens. Auf Wunsch wurde ich auf den Dienstplan der Anästhesisten mit eingeteilt. Meine praktische Tätigkeit bestand wie in Melbourne hauptsächlich im Legen venöser Zugänge und im Intubieren, alle anderen Techniken durfte ich leider nur in Einzelfällen durchführen. Die meiste Zeit verbrachte ich im Erwachsenenkrankenhaus, da Studenten bei Operationen von Kindern, schwangeren Müttern oder Privatpatienten oft entweder nichts helfen können oder ungern gesehen sind. Tutorials für Registrars wurden zu meiner Zeit nicht angeboten.
Im Vergleich zu Melbourne empfand ich die Ärzte hier als vorsichtiger und restriktiver, was die Mitarbeit von Studenten betrifft. Sehr oft wird ein Consultant zusammen mit einem Registrar eingeteilt, so dass ich als dritte Person oft eher im Weg war, als helfen konnte.
Insgesamt hat mir also die Arbeit in Melbourne etwas besser gefallen, da ich dort mehr praktisch gelernt habe. Trotzdem habe ich aber auch in Brisbane einiges an praktischem und theoretischem Wissen erlangt.
Brisbane (1,6 Mio. Einwohner) ist eine freundliche Stadt. Sie hat unter anderem ein schönes Zentrum, eine schöne Lagune in South Bank, wo man mit Blick auf die Skyline schwimmen und sich bräunen kann, sowie ein Ausgehviertel in Fortitude Valley mit vielen Bars und Clubs. Etwas überrascht war ich allerdings, dass gerade unter der Woche abends nicht mehr viel auf den Straßen los war.
Um Brisbane herum gibt es jede Menge zu sehen: im Süden liegt die Gold Coast, Byron Bay sowie verschiedene Nationalparks (z.B. Lamington NP, Springbrook NP). Im Norden liegt die Sunshine Coast, ein paar National Parks (Glasshouse Mountains, Noosa Heads) sowie Fraser Island. Im Osten von Brisbane lohnen sich einige schöne Inseln (Moreton Islands und die "Straddies"), im Westen kann man in Brisbanes Wetlands spazieren gehen.
Ich habe in Australien wunderbare acht Monate erlebt. Die Freundlichkeit der Menschen, die das Leben hier so einfach und angenehm macht, hat mich sehr beeindruckt. Medizinstudenten sollten nicht erwarten, während des Praktischen Jahres in Australien allzu viel praktisch tätig zu sein. Überraschenderweise für mich werden den Studenten hier viel weniger Aufgaben und Verantwortung übertragen als den PJ-Studenten in Deutschland. Insgesamt hat mir Melbourne am besten gefallen, sowohl als Stadt als auch bei der Arbeit im Krankenhaus. Ich könnte mir gut vorstellen, wieder dorthin zurückzukehren und ein längere Zeit dort zu verbringen. Aber auch Tasmanien und Brisbane sind mir in allerbester Erinnerung geblieben. Somit habe ich am Ende meiner Zeit hier in Australien kein Heimweh nach Deutschland, sondern traurige Gefühle, Australien erst einmal verlassen zu müssen.
Für alle Fragen stehe ich sehr gerne zur Verfügung (
daumkep@web.de). Einen ganz herzlichen Dank an DeAN und Qantas, die mich
mit dem Reisestipendium sehr unterstützten und es mir ermöglicht haben, meinen
Traum zu verwirklichen.
Viele liebe Grüße, Philipp Daumke