Internationales Marketing an der Swinburne University of Technology, Melbourne

Erfahrungsbericht über ein Austauschsemester von der FH Reutlingen

Steffen Knoll


Wer denkt nicht an Sommer, Surfen und pulsierendes Strandleben, wenn von einem Australienaufenthalt die Rede ist? Davon ist erst mal nichts zu spüren, als ich im Juli rechtzeitig zum Semesterbeginn in Melbourne eintreffe. Statt dessen ist es kalt und regnerisch. Überhaupt gehörten das Wetter und die Anzahl der Sonnentage zu den größten Enttäuschungen während meiner Zeit in Melbourne.

Wohnungssuche

Nach meiner Ankunft suche ich gleich eine der zahlreichen Jugendherbergen Australiens als erste Bleibe auf. Von meiner Unterkunft im Backpacker aus beginne ich intensiv mit der Wohnungssuche. Erste Versuche über Zeitungsanzeigen bleiben erfolglos. Mit Hilfe von Info-Boards in Internetshops und Cafés gestaltet sich diese als relativ einfach. Im beliebten Stadtteil Fitzroy ziehe ich nach einer Woche in eine nette WG mit internationalen Bewohnern ein. Das Haus ist ein typischer und in Australien weit verbreiteter Backsteinbau mit kleinen Fenstern (um die Hitze draußen zu lassen) und einem großen Backyard für zahlreiche BBQ's.

Melbourne

Die Stadt begeistert vom ersten Tag an. Das Angebot an Sport und Kultur scheint schier unbegrenzt zu sein. Besonders die lebendige Musik- und Clubszene hat es mir angetan. Die große Anzahl an Bars und Clubs sorgt dafür, dass für jeden Geschmack etwas Passendes dabei ist.

Aufgrund seiner vielen Parks und Grünflächen wird die Stadt auch Garden City genannt. Und tatsächlich wohnt jeder in der Nähe irgendeines Parks. Diese können zum joggen, radeln oder einfach draußen sein ideal genutzt werden. Es scheint, als merke man das den 3,5 Millionen Einwohnern an ihrer Gelassenheit auch an. Egal wo man sich befindet, die Stimmung ist immer gut und ausgelassen.

Die Brunswick Street im Stadtteil Fitzroy wähle ich als Lieblingsbezirk. Die vielen kleinen alternativen Shops und vegetarischen Restaurants sagen mir von Anfang an zu. In urigen Läden aus aller Welt werden kuriose und dazu noch günstige Waren und Lebensmittel angeboten. Es ist auch nicht besonders schwer, dort einen Studentenjob zu finden.

Jobsuche

Die Suche nach einem geeigneten Job läuft in Melbourne meist über Anzeigen direkt an der Ladentüre. Auf diese Art kam ich zu einem angenehmen Job in einem der Ökoläden in der Brunswick Street. Eine weitere sehr effektive Möglichkeit eine Stelle zu finden, geht über eine der kostenlosen Job Agencies. Vor allem im Servicebereich ist immer eine große Nachfrage vorhanden. So führte mich eine solche Bewerbung als Kellner immer wieder ins Casino und an die Champagner Bar beim Pferderennen um den Melbourne Cup.

Universität Swinburne

Das Semester beginnt mit einem sehr umfangreichen und ausführlichen Einführungstag. Schon an diesem Tag werden die ersten Unterschiede deutlich. Das australische Unisystem ist doch mehr mit dem Schulsystem in Deutschland zu vergleichen. Das liegt auch am deutlich geringeren Durchschnittsalter der australischen Studenten. Und durch die Tatsache, dass die deutschen Studenten meines Aufbaustudiums Internationales Marketing über ein abgeschlossenes Erststudium und meist schon Arbeitserfahrung verfügen, war dieser Unterschied verstärkt zu spüren.

Der Campus der Uni in Lilydale liegt ca. 40 km vom Stadtzentrum in Melbourne entfernt. Da der Stundenplan nur 2-3 Anwesenheitstage pro Woche vorsieht, stellt sich die Unterkunft im Zentrum als ideal heraus. Doch der anfängliche Eindruck von der 2-Tage-Woche ist falsch. Vom ersten Vorlesungstag an stehen "Hausaufgaben" und Vorbereitungen für die kommende Woche an. Und sehr schnell wird mir klar, dass diese Unterrichtsform sehr zeitintensiv ist. Der relativ hohe Arbeitsaufwand wird noch durch etliche Gruppenarbeiten und Gruppenpräsentationen erhöht, die erst mal organisiert werden müssen und viel Anfahrtszeit erfordern. Ungewohnt ist auch die Art und Weise, in der selbst einseitige weekly questions zu präsentieren sind. Das Harvard Referencing System ist stets anzuwenden. Dadurch ist der Anteil an Literatur- und Internetrecherche sehr hoch und dementsprechend zeitaufwendig.

Reisen

Die Zeit nach und auch während des Studiums habe ich selbstverständlich zum Reisen genutzt. So stand vor allem an den Wochenenden die Umgebung von Melbourne auf dem Programm. Besonders lohnenswert waren für mich die Trips zum Mount Buller und nach Phillip Island. Die Pinguinparade auf dieser Insel zählt zu den beeindruckendsten Reisezielen rund um Melbourne. Die Midsemester Break habe ich zu einem Trip an die etwas wärmere Ostküste genutzt. Um endlich das vielberedete Wellenreiten probieren zu können, habe ich mich für die Gegend um Byron Bay entschieden und bin voll auf meine Kosten gekommen.

Nach Ende des Studiums ging es erst mal an die dünn besiedelte Westküste. Im extremen Gegensatz zur Ostküste ist die Gegend um Perth sicher nicht jedermanns Sache. Mir hat die Strecke von Perth bis Exmouth jedoch sehr gut gefallen. Zu guter Letzt habe ich noch die kleine und grüne Insel Tasmanien erkundet. Mit komplett unterschiedlicher Vegetation im Vergleich zum australischen Festland ist dieser Fleck Erde ein absolutes Muss für Naturliebhaber.

Fazit

Ich habe während meiner Zeit in Australien ein Land mit Bewohnern voll Offenheit und Gelassenheit kennen gelernt. Zuallererst hatte ich eine einmalig tolle Zeit in Down Under, die ich nicht mehr vergessen werde. Der Aufenthalt war aber auch eine positive Erfahrung und wird sicher Einfluss auf meine weiteren Entscheidungen bei der Jobsuche haben.

Die Frage aller künftigen Australieninteressierten, ob dieser Kontinent zu empfehlen ist, beantworte ich mit einem klaren JA.

 steffenknoll@hotmail.com