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Film, Fitzroy, FoodFilm und Fernsehen am Royal Melbourne Institute of TechnologyBirgit Lennartz |
Birgit Lennartz (
birgitlennartz82@gmx.de) absolviert einen dreijährigen Kurs über Film und Fernsehen am Royal Melbourne Institute of Technology. Hier schreibt sie über die Erfahrungen und Eindrücke ihrer ersten 6 Monate.
Von August 2002 bis Juli 2003 verbrachte ich ein Jahr mit einem Working Holiday Visum in Australien. Während meines Aufenthaltes in Melbourne lernte ich Filmstudenten des Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) kennen, die mir von ihrem Studium erzählten und so meine Begeisterung weckten, ebenfalls Film in Melbourne zu studieren. Ein schwerwiegender Grund war, dass dieser Studiengang alle Aspekte des Filmemachens beinhaltet und man sich nicht auf ein Gebiet spezialisieren muss. Dies ist ganz in meinem Sinne.
Mein ursprünglicher Plan war es gewesen, nach dem einjährigen Australienaufenthalt nach England zu gehen, um dort eine Filmschule zu besuchen. Die positiven Erlebnisse, die ich in Melbourne und in Australien generell gemacht habe, bewegten mich jedoch zu dem Entschluss, mich am RMIT zu bewerben. So stellte ich in den vier Monaten in Melbourne ein Portfolio (eine Bewerbungsmappe) zusammen, die ich noch vor Abreise bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch vorlegen durfte. Sie enthielt eine Begründung, warum ich Film studieren will und dafür Melbourne und speziell das RMIT ausgesucht hatte, sowie meinen Lebenslauf. Ebenso hatte ich eines meiner Drehbücher sowie meinen letzten Kurzfilm beigelegt.
In meiner ersten Woche daheim in Deutschland habe ich dann die Zusage der Uni bekommen und so fingen, kaum zurück, meine Vorbereitungen für die erneute Abreise an.
Jeder internationale Student in Australien muss seine Englischkenntnisse mit einem TOEFL- oder IELTS-Test erfolgreich nachweisen, bevor er an der Universität angenommen wird. Die erforderliche Punktzahl unterscheidet sich zwischen den einzelnen Universitäten und Studiengängen. Dieser Englischtest war auch meine letzte Hürde auf dem Weg zum Studium in Melbourne. So hab‘ ich mich also mit meiner Freundin auf den Weg nach Frankfurt gemacht, um die Prüfung zu vollziehen - erfolgreich. Das Ergebnis des Tests wird automatisch zur Uni geschickt.
Für den Visumantrag benötigt man die Confirmation of Enrolment der Uni (Studienplatzbestätigung), die man nach Anzahlung der Studiengebühren und bei Bezahlung der Krankenversicherung (jeder internationale Student ist über Medibank Private versichert, kostet um die AUD 300,- pro Jahr) erhält. Die Bearbeitungszeit für das Visum beträgt ungefähr vier bis sechs Wochen. Es gibt ganz unterschiedliche Visa für ein Auslandsstudium, abhängig vom Abschluss, den man anstrebt. Mein Visum war Subclass 572, da ich mich für ein Advanced Diploma (TAFE-Kurs, FN1) beworben hatte. Das Visum läuft drei Monate nach Abschluss meines dreijährigen Studiums ab. Während dieser drei Jahre kann ich jederzeit ein- und ausreisen. Ein Visum mit Arbeitserlaubnis, so wurde mir mitgeteilt, könnte ich nur vor Ort in Melbourne beantragen. Es ist wichtig zu wissen, dass jeder internationale Student nicht mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten darf; dies schließt unbezahlte Jobs, wie ein nicht von der Uni vorgeschriebenes Praktikum, mit ein.
Zu guter Letzt musste ich mich noch einer medizinischen Untersuchung bei einem der von der Australischen Botschaft vorgeschriebenen Vertrauensärzte unterziehen.
Ich wurde am Flughafen in Melbourne abgeholt - dies war von meiner Uni ebenso arrangiert worden, wie meine Unterbringung für die ersten Tage in einem Backpacker Hostel. Von dort aus habe ich nach einer zukünftigen Bleibe gesucht. Für den Fall, dass jemand an einem Austausch in Melbourne interessiert ist, "Readings", ein Buchladen in der Lygonstreet, ist ein guter Start für die Wohnungssuche, da dort Anzeigen von Studenten aushängen. Ein anderer Vorschlag wäre, auf den schwarzen Brettern der Unis Ausschau zu halten. Ich hatte sehr viel Glück und bin bereits nach drei Tagen in mein neues Zuhause eingezogen. Ich lebe mit zwei anderen Mitbewohnern in einem kleinen Haus in Fitzroy, einem recht zentralen Stadtteil Melbournes. Der Stadtteil ist sehr alt, auch unser Haus hat bereits 150 Jahre auf dem Buckel, ist aber wunderschön und wir haben einen bezaubernden Garten. Aus der Sicht eines Deutschen einfach unvorstellbar, da es bei uns in Deutschland einfach zu wenig Platz gibt und sich daher jeder auf ein kleines Zimmerchen im Xten Stock beschränken muss. Die Uni ist nicht weit entfernt und auch Einkaufs- und Ausgehmöglichkeiten sind direkt um die Ecke.
Da ich geplant hatte, nebenbei zu arbeiten, um meine Eltern bei den Studiengebühren und den Lebenshaltungskosten zu entlasten, habe ich mich vor Ort schnellstmöglich um ein Visum mit Arbeitserlaubnis gekümmert. Weiterhin ist zum Arbeiten eine tax file number (Steuernummer) erforderlich, die sich aber leicht besorgen lässt (Australian Taxation Office). Die Suche nach Arbeit war für mich nicht allzu schwer, da ich in dem gleichen mexikanischen Restaurant arbeite, in dem ich auch schon im vergangenen Jahr gearbeitet habe. Nach den Erfahrungen, die ich als Backpacker gemacht habe, rate ich jedem, einfach in Restaurants, Cafés oder Bars zu gehen und nach einem Aushilfsjob zu fragen. Auf diesem Weg haben schon viele rasch einen Job gefunden.
Melbourne (3,5 Millionen Einwohner) ist bekannt als Kulturmetropole Australiens. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben: Konzerte, Theater, Festivals aller Art, Kunstausstellungen, Museen, Botanischer Garten und und und… Die Stadt ist auch berühmt für ihre internationale Küche. Hier gibt es sicherlich etwas für jeden Gaumen. Auch wer kleine Bars oder Clubs mit Live-Musik mag, ist in Melbourne bestens aufgehoben: ob Blues, Jazz oder Rock - hier ist alles zu finden.
Melbourne ist mit einem Durchmesser von 70 km flächenmäßig eine der größten Städte der Welt. Dies liegt sicherlich auch daran, dass sich die Stadt wegen der Größe Australiens gut ausbreiten konnte. Es gibt wenig Hochhäuser, daher hat die Stadt in manchen Ortsteilen mit ihren kleinen Häusern und Gärten ein ländliches Flair.
Das Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) wurde im Jahr 1887 gegründet und ist bekannt für seine starke Zusammenarbeit mit der Industrie. Die Universität mit ihren 45.000 nationalen und 7.000 internationalen Studenten bietet zahlreiche Studiengänge an, die sowohl national, als auch international anerkannt sind und einen guten Ruf genießen. Der Hauptcampus liegt sehr zentral und nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt.
Die "RMIT Association of International Students" ist eine Gruppe internationaler Studenten, die neuen ausländischen Studenten die ersten Schritte ein wenig erleichtert, gerade falls man sich noch fremd und unbeholfen fühlen sollte. Doch keine Panik, mit ein wenig Mut und Einsatz lebt sich jeder ein!
Das erste Semester meines dreijährigen Studiums "screen (film & television production)" liegt bereits hinter mir. Der Stundenplan des ersten Halbjahres war sehr voll: Single Camera, Multicam (Benutzung von 3 Kameras in einem Studio), Lighting, Sound, Drama and Documentation, Scriptwriting, Editing (das Schneiden von Filmmaterial), Genre, Industry (Besuch von Leuten aus der Filmindustrie, die über ihre Erfahrungen berichteten) und OH&S (Sicherheit am Set).
Im Gegensatz zu anderen Studiengängen ist dieser Studiengang sehr praktisch ausgerichtet. Wir haben keine Examen am Ende des Semesters, sondern "assessments" über das ganze Jahr verteilt. Unter "assessments" werden verschiedene Aufgaben zusammengefasst: Auf der schriftlichen Seite gibt es zum Beispiel die Aufgaben, zwei Filme aus verschiedenen Genres zu vergleichen oder ein Kurzfilmskript zu verfassen. Auf der praktischen Seite, die einen deutlich größeren Raum einnimmt, muss man zum Beispiel ein Interview führen oder kleine Szenen eines Dramas filmen und dabei Aspekte wie Licht und Ton richtig einsetzen. Danach wird das Filmmaterial zusammengeschnitten und unter anderem mit Musik hinterlegt.
Das erste Semester besteht hauptsächlich aus kleinen Übungen, um sich mit der Theorie des Filmemachens und der Ausrüstung vertraut zu machen. Das zweite Semester hingegen legt den Schwerpunkt auf die Produktion eines eigenen Kurzfilmes.
Das Skript haben die meisten bereits innerhalb des ersten Semesters in Drama oder Docu-script entwickelt. Der erste Schritt ist dann die Vorbereitungsphase. Man muss Locations (Drehplätze) und Cast (Schauspieler) zusammenstellen, sowie Vorbereitungen wie Storyboard (Skizze von den einzelnen Kameraeinstellungen), Schedule and Shotlist (Zeitplan/Reihenfolge, in der man die einzelne Einstellungen dreht) treffen. Weiterhin muss man Verträge für alle Mitwirkenden aufstellen und sich mit dem Copyright auseinandersetzen. Danach geht es in den viertägigen Dreh. Die Ausrüstung dafür wird von der Uni gestellt. Zum Schluss muss der Kurzfilm in der Nachbearbeitung noch geschnitten und mit Musik und Effekten hinterlegt werden, bevor er anderen vorgeführt wird. Neben unserer eigenen Produktion helfen wir in mindestens drei anderen Produktionen mit, bei denen wir entweder die Kamera bedienen, Licht setzen oder Ton aufnehmen. Am Ende des Semester werden alle produzierten Kurzfilme an der RMIT vorgeführt und es ist jedem einzelnen überlassen, ob er seinen Film zusätzlich bei einem Kurzfilmwettbewerb einreicht.
Am Ende meines ersten Erfahrungsberichtes möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei DeAN e.V. sowie bei Qantas Airways bedanken, die mich finanziell unterstützt und daher mein Auslandsstudium ermöglicht haben.
FN1 TAFE steht für Technical And Further Education.