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"Ich habe Dinge erlernt, die mir eine deutsche Universität nicht bieten kann"Master of International Business an der University of Western SydneySandra Schumann |
Sandra Schumann (
sandra_schumann@freenet.de)
hat einen einjährigen
Master of International Business-Studiengang an der University of Western
Sydney abgeschlossen.
Um mich für eine Universität in Australien entscheiden zu können, den gesamten Bewerbungsprozess zu organisieren und andere Fragen zu klären (Visumangelegenheiten, Sprachtest etc.) habe ich die Hilfe von IEC Online in Anspruch genommen. IEC Online hat sich auf die Vermittlung von Studienplätzen in Australien und Neuseeland spezialisiert und ist nach meinen Erfahrungen sehr hilfreich. Das Berliner Büro verfügt über Infomaterial, Anmeldeformulare und hat zahlreiche Veranstaltungen u.a. mit Gastprofessoren von den jeweiligen Unis in Australien und Neuseeland. Ich habe meine Zeugnisse und sonstige erforderliche Unterlagen bei IEC eingereicht, mich für verschiedene Unis entschieden und beworben und den Rest hat dann IEC übernommen. Das Beste daran ist, dass IEC keine Gebühren erhebt.
Man sollte mit diesen Vorbereitungen nicht zu spät beginnen, um nicht am Ende an den Bearbeitungsfristen zu scheitern. Ein gutes halbes Jahr im Voraus genügt allerdings. Für alle, die eine spezielle Universität im Auge haben, kann ich empfehlen Referenzen vorzulegen und ein Motivationsschreiben an die Universität zu verfassen.
Ich habe Zusagen für verschiedene Universitäten bekommen und mich letztlich für ein Studium an der University of Western Sydney entschieden. Die University of Western Sydney ist eine relativ junge Universität und die sechs Fakultäten sind über ganz Sydney, beziehungsweise die Außenbezirke verstreut. Ein großer Nachteil daran ist, dass oft lange Fahrwege anfallen und die sind in Sydney mit recht hohen Kosten verbunden, da für internationale Studenten keine Ermäßigungen gewährleistet werden. Ein Vorteil ist allerdings, dass die einzelnen Fakultäten recht klein sind und man neben den Studenten auch die Professoren schnell kennen lernt und eine persönliche Betreuung möglich ist. Ein weiterer Pluspunkt sind sicherlich die verhältnismäßig günstigen Studiengebühren, die immerhin im Vergleich zu anderen Universitäten (z. B. University of Sydney) um fast 5000 A$ günstiger sind.
Am Anfang jedes Semesters veranstaltet die UWS eine Orientierungswoche, die man nicht verpassen sollte. Dort lernt man seine Kommilitonen kennen und bekommt alle wichtigen Informationen und Dokumente, wie Einschreibungen in die Kurse, Bibliotheksnutzung, Studentenkarte, Antrag auf Arbeitserlaubnis u. v. a. m. Ich war auch nach der Einführungswoche noch recht verwirrt, aber nach der ersten Woche waren die meisten Probleme geklärt. Jeder Studiengang hat einen Kurskoordinator, der bei Problemen gern weiterhilft und man sollte sich wirklich nicht scheuen denjenigen anzusprechen.
Ich habe mich für einen Masters Studiengang (Master of International Business) entschieden, den ich in der vorgesehenen Zeit von einem Jahr erfolgreich abschließen konnte. Das Studium besteht aus jeweils drei Pflichtfächern und einem Wahlfach in beiden Semestern. Alle Einzelheiten zu den Studiengängen und Fächern sind auf der Webseite nachzulesen. Die Auswahl bei den Pflichtfächern ist relativ groß und ändert sich jedes Jahr. Die Wahlfächer kann man unbegrenzt vom Gesamtangebot aller Fakultäten wählen. Ich habe im ersten Semester neben den Pflichtfächern (International Corporate Finance, Marketing Relationship Management und International Business Environment) Spanisch als Wahlfach belegt. Aber das ist sicherlich nur eine Möglichkeit und man kann die Fächer weitestgehend seinen Vorstellungen anpassen.
Das Studium selbst ist sehr viel entspannter als in Deutschland. Pro Studienfach fallen etwa drei Wochenstunden Vorlesungen/Tutorien an, die allerdings sehr unterschiedlich verteilt sein können. Ich habe beispielsweise ein Fach an vier Wochenenden mit jeweils acht Vorlesungsstunden an beiden Wochenendtagen abgeschlossen. Jedes Studienfach wird durch ein Lehrbuch unterstützt, das man im Laufe des Semesters durcharbeitet. Allerdings wird von den Studenten ein hohes Maß an Heimarbeit erwartet. Neben Bücherstudium sind Hausarbeiten anzufertigen und verschiedene Projekte zu bearbeiten.
Der gesamte Unterricht ist recht verschult, allerdings auch interaktiv und aufgelockert. Anfangs empfand ich das Studium in Australien als wenig akademisch und vor allem inhaltlich wenig anspruchsvoll. Im Verlauf der Zeit habe ich jedoch erkannt, dass ich auf diese Weise andere Dinge erlerne, die mir eine deutsche Universität nicht bieten kann. Wir haben verschiedene Projekte bearbeitet und das fast ausschließlich in Gruppenarbeiten bei denen die Mitglieder kulturell bunt zusammengewürfelt waren. Damit kommen natürlich sehr viele unterschiedliche Ansichten, Erfahrungen, Sprachen und Wissenshintergründe zusammen, was die Projekte interessant macht und einem die Möglichkeit gibt, vor allem persönlich davon zu profitieren.
Wer in Australien studieren möchte, um viel Fachwissen anzuhäufen und Ableitungen x-ter Grade erwartet, ist sicherlich falsch, aber wenn man einmal seinen Blick für "das Andere" öffnet, lernt man sehr viel dazu.
Letztlich sollte noch erwähnt werden, dass die UWS von der Verwaltungsseite her leider sehr bürokratisch organisiert ist und man oft erstmal eine negative Antwort bekommt. Ich habe allerdings festgestellt, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt.
Die Unterkunft war eines meiner größten Probleme in Sydney. Ich hatte mich zunächst für eine Unterkunft auf dem Blacktown Campus (Quakers Hill) entschieden, die von der UWS angeboten wird. Die Unterbringung dort hat den Vorteil, dass man mit vielen internationalen Studenten zusammenlebt, das Campusgelände über ein Volleyballfeld, Pool, BBQ u. Ä. verfügt und alles bezugsfertig und einfach ist. Allerdings ist man circa eine Bahnstunde von der City entfernt und das bei guter Anbindung und vor neun Uhr abends. In Quakers Hill selbst gibt es außer ein paar kleinen Geschäften, einem Pub und einem Woolworth nichts! Von allen internationalen Studenten, die im ersten Semester dort eingezogen sind, ist gut die Hälfte nach einem Monat wieder aus und in die City gezogen.
Dort ist das Angebot an Wohnungen und WG's zwar sehr groß, aber es dauert doch eine Weile, bis man etwas Passendes gefunden hat. Angebote gibt es vor allem im Sydney Morning Herald, auf verschiedenen Internetseiten und es lohnt sich auch in den Gegenden, wo man wohnen möchte, nach Aushängen in Cafés, Community Centres u. Ä. zu suchen. Je beschränkter das Budget ist, desto schwieriger wird es sicherlich etwas zu finden. Möblierte Zimmer in und um die City kosten ca. 120-160 A$ pro Woche.
Sydney ist auch ansonsten keine billige Stadt und man sollte eher etwas mehr Geld einplanen. Falls es trotzdem knapp wird, kann man mit dem Studentenvisum 20 Stunden pro Woche arbeiten und Jobs gibt es reichlich. Vor allem im Gastronomiebereich wird man schnell fündig.
Die Universität bietet auf ihrer Webseite ein recht großes Freizeitangebot an, was sich allerdings vor Ort als wenig zugänglich erweist. Die meisten Sportangebote richten sich an Wettbewerbsinteressenten oder sind schnell vergriffen. Also: Selbst aktiv werden. Da die Australier eine sportfanatische Nation sind, sollte das allerdings leicht werden. Hat man erst einmal seine Kommilitonen kennen gelernt, ist auch schon das erste BBQ, die Surfstunde oder der Wochenendausflug geplant. Die Möglichkeiten sind diesbezüglich wirklich weit offen.
Sydney ist für mich eine der schönsten — wenn nicht die schönste — Stadt der Welt. Verschiedene Kulturen und Religionen sind hier bunt zusammengewürfelt und machen die Stadt zu einem Erlebnis. Es gibt zahlreiche Festivals, die über das gesammte Jahr verstreut sind, und Sydney bietet unzählige Freizeitmöglichkeiten. Ein perfekter Tag könnte zum Beispiel mit einem Frühstück am Strand beginnen, gefolgt von einer Shoppingtour über einen der Kunstmärkte nach Chinatown zum Lunch führen und nach einer Tour durch die Pubs in Newtown im Nachtclub in Darling Harbour enden.
In den Semesterferien oder nach Abschluss des Studiums sollte man sich die Gelegenheit herumzureisen nicht entgehen lassen. Australien ist diesbezüglich bestens organisiert mit zahlreichen Backpacker Hostels, Busrouten und Walkingtracks und ohne Bedenken auch allein möglich. Die meist bereisten Strecken liegen entlang der Ostküste, die mit endlosen Stränden, dem Great Barrier Reef und verschiedenen Inseln viel zu bieten hat. Wer es ein bisschen ruhiger mag, sollte sich die Südküste und Westküste nicht entgehen lassen. Die Great Ocean Road war eines meiner schönsten Reiseerlebnisse.
Genießt euren Aufenthalt in Australien und sammelt viele unvergessliche Erfahrungen!