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InformationsmanagementUniversity of New England (Armidale)Benjamin Kalka |
Der Beginn war allerdings ein wenig anstrengend. Nach ungefähr 42h!!! (von meiner Haustür bis zum Zielbahnhof) war ich nun endlich in Armidale angekommen. Ich kann jedem nur empfehlen, für die Weiterreise von Sydney nach Armidale einen Flug zu buchen. Die Landschaft ist zwar sehr sehenswert, aber im Vergleich zur Deutschen Bahn (man höre und staune) sind die Züge doch sehr sehr langsam. Außerdem fährt der Zug nur einmal am Tag.
In Armidale angekommen, war bereits alles bestens organisiert. Ein freiwilliger Helfer von der Uni hat uns direkt vom Bahnhof abgeholt und uns zu den Unterkünften gebracht. Der nächste Tag war ebenfalls bereits verplant. Wir wurden in die Stadt gefahren, um dort die notwendigsten Sachen einzukaufen (Essen, Trinken etc.) und organisatorische Belange abzuklären.
Es gibt an der UNE verschiedene Unterkunftsarten. Zum einen kann man sich ein Zimmer in einem der Colleges nehmen. Davon gibt es derzeit 6 Stück in Armidale und jede hat ihre eigene Tradition. Der Vorteil dieser Colleges ist es, dass man nicht selber kochen muss. Man hat sozusagen ein Vollverpflegung: Frühstück, Mittagessen, Abendessen. Außerdem gibt es regelmäßig organisierte Veranstaltungen (meist Feiern) an denen die Teilnahme fast schon Pflicht ist. Der große Vorteil dieser Colleges ist, dass man einen sehr starken Kontakt zu den Australiern bekommt. Nahezu alle australische Studenten wohnen in Colleges. Die zweite Möglichkeit ist, sich eine eigene Wohnung zu mieten. Dies kommt für Austauschstudenten meist nicht in Frage.
Ich habe in einem der sogenannten Self-catering apartments gewohnt. Dem Wright Village. Dies sind Häuser für 4, 6 oder 8 Personen mit eigener Küche, Badezimmer und Aufenthaltsraum. Hier ist man selber für seine Verpflegung verantwortlich. Die ausländische Studenten wohnen fast alle im Wright Village. Ich hatte das Glück mit 5 Australiern zusammen in einem Apartment zu wohnen. Dies ist aber nicht die Regel, zumeist wohnt man mit anderen ausländischen Studenten (zumeist Asiaten) zusammen.
Von der UNE wird zu Beginn des Semesters für alle Austauschstudenten ein Orientierungsprogramm angeboten. An diesem sollte man unbedingt teilnehmen. Man lernt hier alle neuen Studenten kennen, die Vorschriften an der Uni sowie die Gesetze in Australien. Selbst ein Polizist hat einen Vortrag gehalten. Dieses Orientierungsprogramm dauert 1 Woche und am Ende wurde ein gemeinsamer Ausflug in einen nahe gelegenen Regenwald organisiert. Spätestens ab diesem Zeitpunkt kennt man so viele Leute, dass einem eigentlich das ganze Semester nicht mehr langweilig werden sollte.
An der University of New England sind ungefähr 19.000 Studenten eingeschrieben. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es allerdings nur ca. 4000 interne Studenten, d.h. Studenten die auch die Vorlesungen besuchen. Die Universität selber befindet sich auf einem kleinen Hügel, was bedeutet, dass besonders im Sommer der Weg zu den Lehrräumen, die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn treiben wird.
Ich selber habe die Business School besucht und dort an drei Vorlesungen teilgenommen. Diese bestehen immer aus Lecture (Vorlesung) und Tutorial (Übungen). Drei Vorlesungen sind Durchschnitt. Wenn man sich noch ein wenig das Land anschauen möchte, sollte man sich nicht für mehr einschreiben. Man ist durch Assignments, Übungsaufgaben und Prüfungen auch so recht stark ausgelastet. Ich kann jedem nur empfehlen auch wirklich die Vorlesungen zu besuchen, da die Professoren noch sehr viel Wert auf persönliche Anwesenheit und Mitarbeit legen. Das Niveau ist immer sehr schwer zu beziffern. Man ist eigentlich die ganze Zeit immer beschäftigt und nicht wie in Deutschland erst zum Ende des Semesters, aber es sollte dennoch kein Problem sein in Australien gute Noten zu erzielen.
Ein Highlight des Uni Campus sind mit Sicherheit die Känguruhs, welche in einem großen Areal gehalten werden. Wer Glück hat sieht sogar mal einen Koala in einem der Bäume sitzen. Hervorzuheben ist außerdem der Sportbereich der Uni. Hier hat man eine große Auswahl (Fußball, Fitnessraum, Schwimmbad, australisches Rugby usw.).
Zum Ort Armidale. Armidale liegt zwischen Sydney und Brisbane in New South Wales (NSW), d.h. man benötigt gut 8 Stunden mit dem Zug von Sydney und die gleiche Zeit benötigt man auch von Brisbane, allerdings ist dort nur eine Busverbindung möglich. Eine Flugverbindung ist auch vorhanden und gar nicht so teuer (aber nur 20 kg Gepäck!!!). Von den Unterkünften zum Ort benötigt man ungefähr 15 Minuten mit dem Bus.
Armidale besteht größtenteils nur aus Studenten, welche 50 Prozent des Orts ausmachen und damit der Stadt einen frischen Wind verleihen. Des weiteren gilt Armidale als das zweit bedeutendste Bildungszentrum in NSW. Zu erwähnen ist das Klima von Armidale. Die Tatsache, das Armidale sehr hoch liegt, ist es einer der kältesten Orte in Australien, und das sollte man durchaus ernst nehmen. Im Juli (d.h. im Winter in Australien) waren die Temperaturen doch teilweise deutlich unter null Grad und zur Freude vieler Australier gab es auch vereinzelt Schnee, was so 70 % der Studenten dort gar nicht kennen. Dieses Klima macht es sehr angenehm zum Studieren und man ist nicht der ständigen Hitze, wie in anderen Städten ausgesetzt.
Man sollte jetzt aber nicht den Eindruck gewinnen, dass Armidale eine Großstadt ist, es ist mehr wie eine sehr sehr kleine Stadt. Am Abend gibt es maximal drei Möglichkeiten zum Weggehen. Aber diese sind dafür natürlich gut besucht, und somit ist es immer sehr unterhaltsam.
Zwei mal im Jahr wird von der UNE im Semesterbreak eine Outback Tour angeboten. Dabei reist man innerhalb von 17 Tagen mit dem Bus über 10.000 km und sieht sehr viele Sehenswürdigkeiten (Ayers Rock, Darwin, etc.). Es wird im Zelt geschlafen und sehr viel gefeiert. Diese Tour war aus meiner Sicht das Highlight der Zeit in Australien und auch wenn sie sehr anstrengend war (jeden Tag aufstehen gegen 5 Uhr) hat man sehr gute Eindrücke vom Leben in Australien gewonnen. Also wer Wallabies füttern will, unter Fledermäusen schlafen, Krokodile und Pythons sehen und einen der schönsten Sonnenuntergänge der Welt miterleben will, sollte diese Tour machen. Aber wichtig: So früh wie möglich anmelden, nicht erst wenn man in Australien angekommen ist.
Neben dieser Tour habe ich noch drei Wochen nach Ende des Semesters die Ostküste bereist und das Leben als Backpacker genossen. Empfehlenswert auf jedenfall ein Segelturn zu Whiteheaven Beach sowie die Fahrt mit einem Jepp auf der größten Sandinsel der Welt (Fraser Island).
Natürlich hat man Bedenken, wenn man ein Auslandssemester am anderen Ende der Welt absolviert. Aber diese Bedenken waren völlig unbegründet. Australien ist ein unheimlich schönes Land, die Australier selber sind ein wenig verrückt (im positiven Sinn) und unheimlich freundlich. Die Uni ist als Studienort auf jeden Fall zu empfehlen. Ich hoffe, ich konnte meine Begeisterung für dieses Land in dem Erfahrungsbericht ein wenig wiedergeben und kann weitere Studenten dazu animieren, für sich dieses Land zu entdecken. Für mich gehört die Zeit in Australien zu meinen schönsten Erlebnissen bisher und ich kann jedem nur den Tipp geben, diese Erfahrungen selber zu machen.
In diesem Sinne auch einen ganz herzlichen Dank an DeAN und Qantas, die mich mit dem Reisestipendium sehr unterstützt haben.