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Hochschulreform in Deutschland und Australien:
Herausforderungen für das 21.Jahrhundert
Konferenz des Australienzentrums der Universität Potsdam vom
20.22.1.1998 in Potsdam, Inga Sitzmann
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Mittwoch, 21.1.1998
Hochschulreform in Deutschland:
Herausforderungen für das 21.Jahrhundert
Elke Wülfing (parl. StaSekr., BuBildungsMi):
- BRD: 326 Hochschulen
- 2 Mio. Studierende, steigend (wohl wegen BabyBoom erst 2010 Niveau von
heute)
- AUS: 36 öffentliche und 6 private Hochschulen
- 660.000 (140.000 international students)
Übergang von Industrie zu Wissenschaftsgesellschaft, so daß im Jahre
2000 1518% Studium für Berufsausübung benötigen werden (1990:
10 %)
Nachteile deutscher Hochschulen:
- geringe frühzeitige Erfolgskontrolle
- 25% Abbrecherquote
- teils zu theorielastige Studien
- keine leistungsbezogene Mittelzuweisung
- teils ungenügende Studienberatung
- Massenstudiengänge
- umfassende und grundlegende Hochschulreform nötig, nicht nur Erhöhung
der Mittelzuweisung
-
Hauptziele
: Deregulierung und Leistungsbezogenheit
Maßnahmen:
- Verbesserung des Hochschulmanagements
- Flexibilisierung des Hochschulsystems (mehr Gestaltungsspielraum für
Bundesländer, die diesen an die Hochschulen weitergeben sollen)
- Einführung einer Lehrevaluation
- Änderung der Einstellungsvoraussetzungen für Professoren
- Erhöhung der Anforderungen an pädagogische Fähigkeiten
- Habilitation nicht mehr zwingende Voraussetzung zur Senkung des Berufsalters
und Verbesserung der Chancen für Frauen
- Einführung von Zwischenprüfungen
- Ausweitung der Freischußregelungen
- Verbesserung der Studienberatung
- Einführung eines Leistungspunktesystems, um die Akkumulation und den
Transfer von Leistungen aus dem Ausland zu ermöglichen bzw. zu verbessern)
- Vergabe von Bachelor und MastersDegrees, um die Anerkennung deutscher Studienabschlüsse
im Ausland zu erleichtern
- uniinterne Regelung des Hochschulzugangs
- Deregulierung innerhalb des HRG, um Verwaltung in Hochschulen zu "verschlanken"
Thema I: Hochschulmanagement: Haushalt und Personal
Budget and Staffing Issues
Facing Australian Universities in the 21stcentury
Prof. John Niland (ViceChancellor, UNSW):
1996/97 Einnahmen in Höhe von ca. 650 Mio AUS$ durch die Studiengebühren
ausländischer Studierender (fullfeepaying)
weitere Einnahmen in Höhe von 770 Mio AUS$ durch den Kauf von australischen
Waren und die Inanspruchnahme australischer Dienstleistungen durch die ausländischen
Studierenden
Der Bildungssektor ist der sechstgrößte Exportbereich.
Studiengebühren für australische Studierende:
- postgrads:
- Einführung von Studiengebühren
- ständige Erweiterung der Gebührenpflicht auf fast alle Studiengänge
- undergrads:
- 1987 Einführung von Verwaltungsgebühren
- Einführung von HECS (Higher Education Contribution System = "Australian
Scheme"):
die Studierenden müssen 22% der Kosten für ihr Studium selbst
tragen, wobei aber eine Bezahlung auch erst nach dem Studium möglich
ist (erhöhter Steuerabzug bei Überschreiten einer jährlichen
Einkommensgrenze von AUS$ 27.675)
- Änderung des HECSSystems
- Gebührenhöhe ist abhängig von den Kosten des Studiums
im Verhältnis zum erwarteten späteren Einkommen (teils erheblich
höher als 22%)
- jährliche Einkommensgrenze auf AUS$ 20.701 gesenk
- seit ´98 zusätzlich zu Studierenden, die HECS zahlen, können
die Universitäten bis zu 25% mehr Studierende aufnehmen, wenn diese
die vollen Studiengebühren bezahlen (Unterschied der jährlichen
Gebühren z.B. bei einem artsdegree: AUS$ 10.500 : AUS$ 3.300)
Staatliche Finanzierung:
nach dem Regierungswechsel 1996 kündigte die neue Regierung an, daß
- bis 2000 AUS$ 680 Mio (6%) eingespart werden sollen
- es keine Gehaltserhöhung für das akademische Personal geben werde
obwohl im Vergleich zu anderen Industrieländern die Ausgaben im Hochschulbereich
ohnehin eher gering waren
- unterschiedliche Maßnahmen der Universitäten:
- Umstrukturierung
- Kosteneinsparung, insbesondere beim akademischen Personal (öffentliche
Verhandlungen über Gehaltserhöhungen, wobei jede Universität
unterschiedliche Ergebnisse erzielte, so daß die gleiche Position nicht
notwendigerweise gleich bezahlt wird; stärkere Abhängigkeit Gehälter
von der Leistung; etc.)
- Steigerung der Zahl der Studierenden, die die vollen Studiengebühren
zu zahlen haben
Finanzzuweisungen erfolgen an die Universitäten direkt, aber inzwischen
wird diskutiert, ob nicht eine Zahlung an die Studierenden erfolgen sollte,
die dann mit diesem Geld an der Universität ihrer Wahl studieren (voucherSystem)
- extremer Konkurrenzkampf zwischen den Hochschulen
Hochschulmanagement im Transformationsprozeß
Prof.Dr. HansJürgen Ewers (Präsident, TU Berlin)
Probleme und Lösungsansätze:
- seit 1975 gleicher Bestand an Hochschulpersonal (außer Medizin), aber
Verdreifachung der Studentenzahlen
- Deregulierung innerhalb des HRG, um Wettbewerb der Hochschulen untereinander
zu fördern und damit Reformbestrebungen (von innen heraus) zu beschleunigen
- Sozialdiskriminierung durch Einführung von Studiengebühren
- Rückzahlung nach Eintritt ins Berufsleben ähnlich dem Steuerabzug
- privatrechtliche /vertragliche Lösungen, um Möglichkeit der
Entziehung durch Arbeitsausübung im Ausland zu verhindern
Thema II: Internationale Studien und Forschungsprogramme
Qualitätssicherung
Quality Assurance:
The ANU Experience
Prof. Deane Terrell (ViceChancellor, ANU)
Ausgangsproblematik:
- aus verschiedenen Indikatoren werden werden sowohl in Europa als auch Australien
als am wichtigsten eingeschätzt:
- Bewertung der Absolventen durch die Arbeitgeber
- Bewertung der Qualität des Unterrichts und der Motivation des Lehrkörpers
durch die Studierenden
- 2. je nachdem, welche Gruppierung in der Gesellschaft eine Rangliste
im Hinblick auf die Wichtigkeit der Indikatoren erstellt, ergeben sich
erhebliche Unterschiede
- Konflikt zwischen den traditionellen Aufgaben der Universität (Forschung)
und den Anforderungen, die Studierende, Arbeitgeber und die Regierung
stellen (Berufsausbildung)
- die Hochschulfinanzierung ist auf den Mythos ausgelegt, daß alle Universitäten
die gleichen Möglichkeiten und Kapazitäten haben, allen Anforderungen
auf demselben Niveau gerecht werden zu können
Im Gegensatz zu anderen australischen Unis ist die ANU in in zwei Bereiche
aufgeteilt:
-
The Institute of Advanced Studies
- übernimmt nur Aufgaben in der Forschung (für ganz Australien)
und der Doktorandenausbildung und erhält dafür spezielle Fördermittel
vom Staat, die unabhängig sind von DEETYA (Dept. of Employment, Education,
Training and Youth Affairs) oder ARC (Australian Research Council)
- Möglichkeit der Durchführung von Langzeit und Risikoprojekten
- die 700 Mitglieder des wissenschaftlichen Personals sind nur für
die Forschung und nicht wie sonst an den Unis auch für die Lehre
beschäftigt und nur 30% sind fest angestellt, um eine möglichst
hohe Flexibilität zu erreichen, immer wieder in neue Projekte einzusteigen
-
The Faculities
- normale Aufgaben einer Universität (undergraduate teaching, research)
Mittel der Qualitätsbewertung und sicherung in Australien:
- Strenge Auswahl und Beförderungskriterien für die Lehrenden
- Leistungsbewertung der Fakultäten und Lehrstühle durch die Kollegen
(peer review)
- Bewertung der Unterrichtsqualität mittels Fragebögen durch die
Studenten
-
Vorteil:
wesentlich höhere Rechenschaftspflicht des Einzelnen für seine Lehrtätigkeit
als bei anderen staatlich bezahlten Arbeitnehmern
-
Nachteile:
- nur interne Bewertung
- keine direkte Vergleichsmöglichkeit mit anderen nationalen und
internationalen Unis
- schwierig, weitreichende Änderungen der Anforderungen an die Unis
schnell umzusetzen
Qualitätssicherung im Hinblick auf internationale Studierende:
seit 1990 Pflicht der australischen Unis, internationale Studierende nur
gegen Bezahlung der vollen Gebühren zuzulassen, so daß keine der
anfallenden Kosten durch staatliche Mittel getragen werden
trotzdem erfolgte fast eine Verdopplung der internationalen Studierendenzahlen
von 1990 bis 1995 (von 28.993 auf 51.994) in Australien
-
Gründe
(teils ANUspezifisch):
- effektives Marketing
- Englisch als Unterrichtssprache
- erschwingliche Lebenshaltungskosten
- leistungsbezogene Auswahl der Studierenden, so daß nur die besten
zugelassen werden
- fachliche und persönliche Unterstützung der Studierenden bei
ihren Problemen
- spezielle Einrichtungen mit internationaler Ausrichtung für postgraduate
students (National Centre for Development Studies, Managing Business in
Asia MBA Program), die insbesondere in Asien hohes Ansehen haben
Vorteile der internationalen Studierenden:
- Finanzmitteln für die Universitäten
- geistiger und kultureller Beitrag zu einem internationalen CampusLeben
- Anreiz für die australischen Unis, sich dem Wettbewerb mit anderen
internationalen Unis um die besten Studierenden zu stellen
Interne Qualitätssicherung an der ANU:
- Ziele:
- hervorragendes Lehrpersonal
- hochqualifizierte Studierende
- Infrastruktur, die sowohl den Lehrenden, als auch Lernenden ermöglicht,
das Bestmögliche aus ihren Anlagen zu machen
- Maßnahmen:
- umfassende Prüfung anhand von strengen Auswahlkriterien von Kandidaten
für eine Stelle im Lehrkörper
- seit 1984 müssen sich festangestelle Lehrbeauftragte alle zwei
Jahre einer eingehenden Bewertung ihrer Tätigkeit unterziehen
- Stipendien für bestqualifizierte Studierende (undergrads und postgrads,
national und international)
- von den jährlichen Mittelzuweisungen unabhängige Fonds für
besondere Ausgaben im Forschungsbereich
- interfakultäre Zusammenarbeit durch Schaffung fächerübergreifender
Zentren
- Ausbau der Austauschprogramme mit Universitäten in Asien, USA und
Europa
- Schaffung eines integrierten Studiums im Bereich asiatische Studien
(incl. ein Auslandsjahr in dem Land der Spezialisierung)
- Gründung der Graduate School, um unabhängig von dem Institute
of Advanced Studies eine fächerübergreifende Lehre und Forschung
zu ermöglichen
Quality Assurance and Quality Improvement
Challenges for Higher Education in the 21st
Century
An Australian Perspective
Prof. Roman Tomasic (Chairman of the Academic Board, Uni of Canberra):
- Focus in Australien im Hinblick auf den Wandel der Unis zu "Massenlehranstalten"
liegt auf der Finanzierbarkeit eines Ausbaus unter Erhalt der Qualität
der Lehre und Forschung, um weiterhin, insbesondere für internationale
Studierende, attraktiv zu bleiben
- Reform der Ausbildungsziele und damit der Lehre insgesamt nötig, um
den geänderten Anforderungen der Gesellschaft und der Wirtschaft gerecht
zu werden, da im Zeitalter des "lebenslangen Lernens" die Unterschiede zwischen
den Ausbildungsarten fließend sind
- seit kurzem findet für einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten eine umfassende
Untersuchung des Hochschulwesens in Australien (Higher Education Financing
and Policy Review Committee = West Committee) statt, wobei der Schwerpunkt
im Bereich der Lehre und hierbei bei der Finanzierung und nicht der Qualitätssicherung
liegt, da nach Ansicht des Kommittees an den Universitäten zuviel Wert
auf die Forschung gelegt wird
- verschiedene Grundprinzipien für die zukünftige Entwicklung des
Hochschulwesens:
- Ausbau der Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulen
- Maximierung der Wahlmöglichkeiten für die Studierenden
- Verbesserung der Qualtität der Lehre und der Rechenschaftspflicht
der Lehrenden
- Maximierung der Gewinne aus der Forschung
- Angemessene Beteiligung der Studierenden an den Kosten der Ausbildung
Internationalisierung der Ausbildung
Zwischen Wildwuchs und internationaler Akkreditierung
Prof.Dr. Klaus Borchard (Rektor, Uni Bonn):
AUS: Bildungs und Hochschulwesen ist Wirtschaftsfaktor, der erheblichen
Anteil am BSP trägt
- hohe Qualität der Ausbildung nötig, um im internationalen Wettbewerb
konkurrenzfähig zu bleiben
-
aber:
durch die Asienkrise besteht nun Gefahr einer "Preissenkung", um wieterhin
Studierende aus Asien anzuziehen, und damit Gefahr des Qualitätsverlustes
BRD: erst durch die fortschreitende Globalisierung sind die deutschen
Hochschulen seit kurzem der internationalen Konkurrenz ausgesetzt, aber ohne
einheitliche Qualitätsstandards zu haben, die auch im Ausland anerkannt
sind
"Experimentierphase" an deutschen Unis (Schaffung von Bachelor und MasterAbschlüssen
und von auslandsorientierten Studiengängen), wobei aber die Entwicklung
von Qualitätsstandards durch verschiedene Institutionen der "Bildungsindustrie"
(Ministerien, Hochschulrektorenkonferenz HRK) erfolgt und deshalb zu allgemein
und zu wenig fachbezogen ist
Bsp.: Kritik am "Eckwertepapier" der HRK
- Bachelor und Diplomstudiengänge sollten nebeneinander bestehen, um
Studierenden eine größere Flexibilität, insbesondere im Hinblick
auf die Dauer ihres Studiums zu geben
- keine Aufbaustudiengänge vorgesehen, die auch für ausländische
Studierende interessant wären
- "Abnehmer" der Studierenden sind besser geeignet, fachbezogene Qualitätsstandards
zu entwickeln (z.B. Initiativen der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge
und der Managementschulen zur Einführung eins europaweiten Akkreditierungssystems)
Donnerstag, 22.1.1998
Thema III: Internationales und nationales Marketing
der Hochschulen
From international relationships to a global presence:
Monash University as a case example
Prof. David Robinson (ViceChancellor, Monash)
Monash (1998): 45.000 Studierende, wobei 5.500 aus dem Ausland kommen (70 verschiedene
Länder)
"Export" der Hochschulbildung durch Einrichtungen innerhalb asiatischer Universitäten
(z.Zt. Singapur, Malaysia, Hong Kong, Indonesien - dort in Zusammenarbeit mit
der UNSW), in denen australische Lehrbeauftragte dortigen Studierenden die Vorbereitung
auf ein Studium in Australien oder insgesamt ein Fernstudium ermöglichen
- durch die befristete Lehrtätigkeit im Ausland können die Lehrenden
nach ihrer Rückkehr einen wesentlichen Beitrag für die Internationalisierung
des Hochschulwesens auch innerhalb Australiens leisten
Notwendigkeit des Ausbaus von grenzübergreifenden Kooperationen von Universitäten,
die aber über bloße Austauschprogramme hinausgehen müssen, um
den Anforderungen an eine globale Hochschulbildung gerecht werden und damit
im beginnenden Wettbewerb um Studierende auf der ganzen Welt bestehen zu können:
- hohe Flexibilität der Lehrbeauftragten
- Ausrichtung der Lehre auf die Anforderungen aus der Wirtschaft an die späteren
Absolventen
- intergouvernementale Vereinbarungen hinsichtlich einheitlicher Zulassungsvoraussetzungen
- gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse bzw. der abgeleisteten Studienzeiten
bei integrierten, multinationalen Studiengängen
Notwendigkeit einer kritischen Betrachtung des australischen Hochschulwesens
sowohl im Bereich der Lehre (Aufbau und Art der Studiengänge), als auch
der Verwaltung (insbes. Einrichtungen für ausländische Studierende),
um etwaigen Reformbedarf feststellen zu können
- Internationalisierung heißt aber nicht Denationalisierung, da Studierende
aus dem Ausland Australien als Studienort auch wegen bestimmter Eigenheiten
der dortigen Universitäten wählen, d.h. im Wettbewerb werden nur
die Universitäten bestehen, die sich durch Besonderheiten in ihrer Lehrtätigkeit
und/oder ihren Studiengängen auszeichnen
Dr. Christian Bode (GenSekr. des DAAD):
Die deutschen Hochschulen auf dem internationalen Bildungsmarkt
Austausch zwischen BRD und AUS:
1997 55.000 Stipendiaten, aber nicht ausbalanciert, d.h. Zahl der Deutschen,
die nach Australien gehen, ist wesentlich größer und wird wohl
auch weiter zunehmen, da seit kurzem auch Stipendien an Studierende/undergrads,
nicht nur Postgraduierte vergeben werden
Situation in BRD:
- kein internationales und nur geringes nationales Marketing deutscher Hochschulen
- deutsche Hochschulen rangieren im Mittelfeld der Unis in Industrieländern
hinsichtlich des Anteils ausländischer Studierender und des Anteils deutscher
Studierender an ausländischen Unis:
- seit 1975 größte Zunahme in Australien, Japan (Japan war früher
im Hinblick auf Austauschprogramme "closed shop") und Großbritannien
(trotz der hohen Studiengebühren für Postgraduierte)
- Sprachproblem an deutschen Unis, da regelmäßig Deutsch Unterrichtssprache
ist
- ausländische Studierende sind meist aus Ländern, in denen traditonell
Deutsch bereits an Schulen unterrichtet wird (Korea - wegen japanischer Besetzung,
China, Indonesien - frühere holländische Kolonie, MOEStaaten)
- insbesondere Rückgang der Zahlen von Studierenden aud Ungarn und Tschechien
Grund für den Attraktivitätsverlust deutscher Unis ist neben dem
Sprachhindernis die nachlassende Qualität der Ausbildung
Ziel eines Marketings auf internationaler Ebene:
Qualitätswettbewerb, um gute Postgraduierte heranzuziehen, da für
Gebührenwettbewerb kein Spielraum ist
geplante Maßnahmen:
- Vereinfachung des Ausländerrechts für Studierende
- Einführung von Bachelor und Masters - Abschlüssen
- englischsprachige Kursangebote
- Schaffung eines "deutschen TOEFL - Tests"
- bessere Information und Beratung internationaler Studierender durch Benutzung
von Internet, Medien und den Aufbau von Informationszentren
-
National and international university management -
fundamental problems and possibilities
Prof.Dr. Christine KeitelKreidt (VizePräs, FU Berlin
Marketing an Universitäten sieht nur die Bildung als "Ware"
aber
: die Universität hat darüberhinausgehende Aufgaben (Humboldtsche
Lehre: universitäre Ausbildung ist Mischung aus Bildung und Forschung)
statt negativ besetzten Begriff "vermarkten" zu verwenden, könnte Marketing
positiv als Selbstdarstellung, Sympathiewerbung und Strukturierung der Angebote
gesehen werden
Wer ist überhaupt der "Markt"?
a) innerhalb der Universitäten:
- wissenschaftliches Personal
- Steigerung der Attraktivität einer Universität durch Kooperationsmöglichkeiten
mit anderen Universitäten und durch hochwertige Ausstattung
- Spezialisierung und damit Herausbildung eines speziellen wissenschaftlichen
Profils würde Wettbewerb unter Universitäten verbessern
- aber: nicht möglich wegen dem von der Gesellschaft aufgezwungenem
Bildungsauftrag für die Massen an Studierenden
- Studierende
- Qualitätssteigerung durch universitäre Auswahlmöglichkeiten,
die sich an Leistung und Motivation der Studierenden orientieren
- Schaffung eines attraktiven außeruniversitären Umfelds
- Ausbau internationaler Beziehungen, um Studierende mit Interesse an
einem Auslandsstudium anzuziehen bzw. durch ausländische Studierende
das Lernumfeld auch für deutsche Studierende interessanter zu machen
b) außerhalb der Universitäten (Wirtschaft, große
Gesellschaftsgruppen):
- hier herrscht ein Defizit beim Marketing, so daß besondere
Strategien nötig sind:
- Auf und Ausbau von PRAbteilungen
- Zusammenarbeit mit zentralen Pressestellen
- Abbau von langen Studienzeiten, um Eindruck der Ineffiktivität
der universitären Ausbildung zu nehmen
- Wirtschaft soll verstärkt von den Ergebnissen der Forschungsprojekte
profitieren können, um damit auch eine größere finanzielle
Unterstützung durch Unternehmen zu erreichen (gewinnbringender Verkauf
durch Universitäten nach Patentrecht verboten!)
Universities and the market place: lessons from the
Austraian experience
Prof. Ken Eltis (Deputy ViceChancellor, Uni of Sydney):
Veränderungen in AUS:
Entstehung des "universitären Kapitalismus" durch Kürzung der Finanzmittel
und Zunahme der Studentenzahlen
- Aufbau von finanzstarken Verbindungen zur Industrie
- Steigerung der Spendenbereitschaft von Ehemaligen und anderen "Wohltätern"
- Erhöhung der Anzahl ausländischer Studierender, die die vollen
Studiengebühren bezahlen
- je mehr die Studierenden für ihr Studium bezahlen müssen, desto
mehr mehr werden sie im Hinblick auf die Qualität ihres Studiums fordern
- da die Studiengebühren aber nur die fehlenden staatlichen Gelder ausgleichen,
müssen die Universitäten mit den gleichen oder sogar geringeren
Mitteln eine bessere Leistung erbringen
Internationalisierung des australischen Hochschulwesens:
- Schwerpunkt im AsienPazifikRaum (1995: 86% ó aus Europa nur 4%)
- die Internationalisierung beschränkt sich nicht auf das Studium internationaler
Studierenden in AUS (seit dem 2.Weltkrieg Zunahme der Zahlen 1987: 7.131,
1995: 80.722 und der Gebührenhöhe, aber auch der Anzahl an Stipendien
als Teil der staatlichen Auslandshilfe), sondern es sind auch verstärkt
Kooperationen im Wirtschaftsbereich, im politischen Bereich und zwischen Bildungseinrichtungen
allgemein (offshore campuses und distant learning) entstanden
Thema IV: Hochschulfinanzierung
Has the revolution happened? Financing the Australian
university system
Mary O´Kane (ViceChancellor, Uni of Adelaide):
Einnahmen der Universitäten:
- Studiengebühren
- staatliche Gelder (wohl 20% Kürzung bis 2000)
- Bezahlung von Forschungsprojekte für den Staat oder die Privatwirtschaft
- Kommerzialisierung geistigen Eigentums
- Investitionen
- Spenden
- die Einnahmen haben zwar absolut zugenommen, aber wegen der Erhöhung
der Zahl an Studierenden sind pro Kopf weniger Mittel vorhanden
Ziel der Bildungspolititk war, ebenso wie in Deutschland, der breiten Bevölkerung
eine universitäre Ausbildung zu ermöglichen, um den Wohlstand des
Landes insgesamt zu steigern (1939: 14.236 Studierende, 1998: 500.000 Studierende;
Bevölkerungswachstum hatte nur geringe Auswirkungen auf diese Zahlen)
Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am BSP ist sehr hoch,
insbesondere im Vergleich mit Deutschland, wobei FuE hauptsächlich an Universitäten
(70% in acht Universitäten) stattfindet
- Finanzierung erfolgt aber nicht nur über staatliche Gelder, entweder
für einzelne Projekte oder für das jeweilige Institut allgemein
(meist in Form von Wettbewerben zwischen den einzelnen Forschungsinstituten),
sondern insbesondere über die Industrie
- auch hier nimmt der Wettbewerb zu, insbesondere durch die internationale
Vernetzung, die die Übertragung von Forschungsprojekten an Universitäten
in anderen Ländern vereinfacht (Nutzung des Internets, insbesondere für
Publikationen, joint ventures, "suitcase science" = Wissenschaftler reisen
in andere Länder, um die dortige Infrastruktur zu nutzen)
Before the revolution? German universities and the notion of public financing
at the century´s end
Prof.Dr. Wolfgang Jäger (Rektor, Freiburg)
- 9398% der Hochschulhaushalte werden von staatlichen Geldern getragen
- Grund: Bildung ist ein öffentliches Gut, das jedem gleichermaßen
zustehen soll
-
aber
: wegen der Finanzmisere der öffentlichen Haushalte wird diese Betrachtungsweise
immer mehr in Zweifel gezogen
- Ausgleich der durch die Ausbildung erhaltenen Vorteile durch Beteiligung
an den Kosten (völlige Kostendeckung über Studiengebühren ist
jedoch unmöglich)
- Unterschiede in der Qualität der Lehre zwischen den einzelnen Universitäten
besteht schon jetzt, aber durch einen mit der Einführung von Studiengebühren
automatisch verbundenen Wettbewerb würden diese in der Öffentlichkeit
noch deutlicher herausgestellt werden
- Diskussion, ob öffentliche Gelder auch nach Leistungskriterien vergeben
werden sollen
-
Problem:
bisher existieren noch keine einheitliche Kriterien hinsichtlich der Qualitätsbewertung
(Ausmaß der Finanzierung durch privaten Sektor im Rahmen von Forschungsprojekten
als z.Zt. einziges Kriterium)
Hauptprobleme für eine effektive Studienreform sind jedoch die Bürokratie,
die deutsche "Regelungswut" und die rechtliche Unselbständigkeit der Universitäten
- Deregulierung als wichtigstes Ziel einer Reform
Hochschulen zwischen Finanz und Reformbedarf
Prof.Dr. Klaus Landfried (Präsident der HRK)
gegenwärtige finanzielle Lage:
- Nettoausgaben für Hochschulbereich 36 Mrd. DM
-
aber:
zwischen 1977 und 1992 ist Anteil dieser Ausgaben am BSP um 22% gefallen
- davor stiegen Stellen und Mittelausstattung im Verhältnis zur Zahl
der Studierenden
- Entstehung von verschiedenen Defiziten:
- dauerhafte Unterfinanzierung des Hochschulbaus seit 1987 (insbesondere
im Vergleich mit anderen Industrienationen weit unter OECDDurchschnitt)
- veraltete Geräteausstattung
- keine Deckung des stark zunehmenden Finanzbedarfs in neuen Ländern
- Anstieg der Relation "Studierender pro Stelle wissenschaftliches Personal"
zwischen 1975 und 1996 von 13 auf 24 an Universitäten (ohne Medizin)
und von 16 auf 40 an FHs
Probleme bei der Organisation und Verwaltung:
- staatliche Personal und Planungshoheit
- Zentralisierung von Forschungsmitteln
- mangelnde Transparenz der Verteilungsentscheidungen in den Länderministerien
und den Hochschulen
- Behinderung der Entscheidungs und Gestaltungsmöglichkeiten durch starre
und komplizierte Verwaltungswege
- Zulassungsrecht weitgehend staatlich geregelt
- staatliche Steuerung nur selten an Erfolgskriterien orientiert
- keine oder nur unzureichende Kontrolle der Effektivität des Ressourceneinsatzes
- keine Belohnung von Ressourcenschonung
Maßnahmen für die Zukunft:
- Optimierung des Mitteleinsatzes durch Einführung von Wettbewerbselementen
und transparenter Kosten und Leistungsrechnung
-
STRUKTURREFORM:
- institutionelle Autonomie in allen akademischen Angelegenheiten
- belastungs und leistungsorientierte Finanzierung
- Erweiterung der Entscheidungsautonomie und der Selbststeuerungsfähigkeit
mit entsprechend erweiterter Rechenschaftspflicht
- Staat muß sich weitestgehend auf Rechtsaufsicht beschränken
- angemessene Finanzierung, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zu
sichern (Globalisierung des Arbeitsmarktes, Wirtschaftsstandort Deutschland
nur über Wissenschaftsstandort Deutschland zu sichern)
- wohl bis 2010 Anstieg der Zahl der Studienanfänger um 25% (geburtenstarke
Jahrgänge, Erhöhung der Studierendenquoten in den neuen Ländern)
und damit Mehrbedarf von ca. 69 Mrd DM pro Jahr
- wegen angespannter Haushaltslage müssen private Quellen für Finanzmittel
erschlossen werden:
- Spenden
- Einnahmen aus Stiftungen
- Mobilisierung privaten Kapitals für Anlageinvestitionen
- Erhöhung der privaten Drittmittel für Forschungszwecke (z.Zt.
500 Mio, aber trotz Kostenlast der Unternehmen Ausweitung um 100200 Mio möglich)
- Vermarktung von wissenschaftlichen und anderen Dienstleistungen (ca. 300
Mio.)
-
Vorteile: Preis und Qualitätswettbewerb zwischen den Hochschulen
- Förderung des Technologietransfers und der wissenschaftlichen Weiterbildung
- Vermietung von Räumen und Laborgerät
- Studiengebühren (ca. 3,6 Mrd bei 2000, DM /Jahr)
- Solidarbeitrag von Besserverdienden (>100.000 DM Jahresverdienst)
Die Reform der Hochschulfinanzierung in Brandenburg
Prof.Dr.Friedrich Buttler (Staatssekretär des Ministeriums für
Wissenschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg)
Ziel:
Übertragung der Planungs, Steuerungs und Kontrollbefugnisse auf die Hochschulen
Maßnahmen:
-
seit 1996
- Stärkung der Finanzautonomie der Hochschulen durch flexiblere Haushaltsregelungen
- Modellvorhaben an EuropaUniversität Viadrina und FH Brandenburg mit
folgenden Kernelementen:
- Mehreinnahmen bleiben in den Hochschulen und können für Mehrausgaben
verwendet werden
- Anreiz zur Erwirtschaftung überplanmäßiger Einnahmen
- Mehreinnahmen können auch in Höhe von 80% in Rücklagen umgewandelt
werden, die erst bis Ablauf des übernächsten Haushaltsjahres verbraucht
werden müsssen
- Effizienzgewinne kommen den Hochschulen über längere Zeit direkt
zugute
- mehr Kompetenz über den Ressourceneinsatz für Hochschulen
- Resultate: sachgerechterer und wirtschaftlicherer Mitteleinsatz
- insgesamt flexiblere und schnellere Reaktionsfähigkeit bei Bedarfsänderungen
-
seit 1997:
-
alle Hochschulen in diese flexiblere Haushaltsgestaltung aufgenommen
-
ab 1999 (geplant):
- nach Verabschiedung des neuen HRG (Schwerpunkt: Leistungsabhängigkeit
der staatlichen Finanzierung) ist die Globalisierung der Hochschulhaushalte
geplant, d.h. Übergang zu betriebswirtschaftlich orientierten Strukturen,
um die Eigenverantwortung zu stärken
- Wirtschaftsplan mit Erfolgs und Finanzplan
- detaillierte Produkt und Leistungsbeschreibung, die hochschulübergreifende
Beurteilung der Leistungsfähigkeit ermöglicht
- Kosten und Leistungsrechnung, um Daten über die wirtschaftliche Situation
der Hochschulen zu erhalten
- formelgebundene Bemessung der globalen Finanzzuweisungen,
Parameter: Hauptnutzungsflächen
- Zahl der Studierenden in der Regelstudienzeit
- Personalstellen
- private Drittmittel
- ausgebautes und inhaltlich gesetzlich vorgeschriebenes Lerhberichtswesen
innerhalb der Hochschulen, um einen internen und externen Vergleich der Leistungen
zu ermöglichen
- Zuständigkeit für dieses Lehrberichtswesen beim Präsidenten
und Dekan, da diese für die Verteilung der Stellen und Mittel verantwortlich
sind
- mit Übergang zu Globalhaushalten sollen auch die Befugnisse des Ministeriums
auf Abschluß von Zielvereinbarungen mit den Hochschulen und die Wahrnehmung
von Kontrollbefugnissen beschränkt werden
- erhebliche Verwaltungsvereinfachung
Podiumsdiskussion:
Hauptstreitpunkt war die aktuelle Diskussion um die Einführung von Studiengebühren
in Deutschland
- ungerecht, daß die Generation, die ohne Studiengebühren studiert
hat, die größte Staatsverschuldung geschaffen hat und jetzt in
der Regierung bzw. den Hochschulorganen sitzt, von der jungen Generation Studiengebühren
verlangt
- alle früheren Studenten sollten einmalig 2000, DM zahlen
- trotzdem Notwendigkeit der Einführung von Studiengebühren
- Studiengebühren sollten unterschiedlich gestaffelt sein, je nach Art
und Ruf der Hochschule und des Studiengangs
- im Gegenzug sollte die Studierenden mehr Einfluß auf die Lehre, insbesondere
auf die Lehrenden haben (regelmäßige Bewertung, die zu Konsequenzen
führt)
- Finanzierung der Hochschulen alleine durch Steuergelder führt zu einer
Umschichtung der Gelder von Nichtakademikern an Akademiker, da erstere ebenso
an den Kosten beteiligt werden
- unverständlich, daß SPD als Vertreterin der Nichtakademiker sich
so vehement gegen Studiengebühren einsetzt
Fazit
Sowohl in Australien als auch Deutschland besteht ein Reformbedarf, wobei Australien
in seiner Entwicklung Deutschland voraus ist, insbesondere im Hinblick auf eine
größere Selbständigkeit der Hochschulen, der Schaffung neuer
Finanzquellen und der internationalen Ausrichtung von Forschung und Lehre. In
dieser Hinsicht kann Deutschland aus den Erfolgen Australiens lernen und versuchen,
dort gemachte Fehler zu vermeiden.
Interessant war auch, daß bei den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen
der deutschen Teilnehmer der Schwerpunkt auf der Kritik am jetzigen System lag,
die manchmal in eine bloße "Nörgelei" ausartete. Auf australischer
Seite hingegen war der Blick verstärkt auf die Zukunftsperspektiven gerichtet,
also der Frage nach Ziel und Maßnahmen einer Reform. Vielleicht zeigt
sich darin auch ein Mentalitätsunterschied der beiden Nationen.
Jedenfalls steht fest:
Wer sich in einer Sackgasse befindet, findet keinen Ausweg, indem er nur auf
die Mauer vor sich sieht und über deren Höhe lamentiert, statt mit
dem bereitliegenden Werkzeug die Mauer einzureißen.