Das Ritterfest

Eine mittelalterlich Mär

Jochen Weidenhaun

Klirrend zog die Kälte durch das Gemäuer der trutzigen Burg zu Pyrmont, so wie üblich zu dieser Zeit. Kalt und einsam die Umgebung und wenn es auch keine Wölfe mehr in dieser hügeligen Landschaft gab, so konnte man deren Heulen fast erahnen, wenn einem nicht selbst vor Kälte danach zumute war. Es war einer von diesen grauen, dunklen Novembertagen, an denen die wenigen Siedler in Umgebung der Burg in ihren kargen Behau-sungen sich um das Kaminfeuer drängen, um sich zu erwärmen.

Doch ausgerechnet an diesem Ort, in den Gemäuern der Burg Pyrmont, versammelte sich, in froher, ja ausge-lassener Stimmung, eine Gruppe von tapferen Menschen, um einem fremden, geheimnisvollen, fernen Land zu huldigen. Ein Land sonnendurchflutet und dessen Städte gesäumt mit azurblauen Meeresbuchten; ein Land un-endlich weit und schön.

Sie drängten sich dicht um ein hoch loderndes Feuer und bei Met und Wein lösten sich die Zungen und sie alle erzählten von Ihren abenteuerlichen Reisen und Erlebnissen in eben jenem Land. Die Stimmung steigerte sich weiter, als vier Abgesandte aus dem fremden Land eintrafen, um mit Ihnen zusammen ein Bündnis zu gründen, das den kulturellen und zwischenmenschlichen Austausch zwischen den Ländern fördern möge.

So geschah es, daß zwei Abgesandte, die weisen Ian und Jane, ein fürwahr hoheitliches Ehepaar, zum Königspaar auserkoren wurden. Eine Krönungszeremonie folgte und die Zofe Agnès aus der nahen Ville de Paris und der Knappe Jochen aus dem germanischen Norden des Landes wurden Ihnen zur Seite gestellt. Es erfolgte eine gestrenge Einweisung der ehrerbietigen Mönche der Burg, welche sichtlich bemüht waren, eventuellen Ausschweifungen, die sich aus der freudlichen Stimmung ergeben könnten, Einhalt zu gebieten. Aber die Menge ließ sich nicht betrüben und zog hinein in die Gewölbe der Burg, um sich mit knurrendem Magen einem wahren Rittersmahl zu widmen.

Der Met und der Wein flossen so denn weiter in Strömen und die Mägen füllten sich mit deftiger Kost von lo-kalem Getier und Früchten. Für zwischenzeitliches Rumoren und Entsetzen sorgte der königliche Vorkoster Russ, dem die örtlichen Erdäpfel so gar nicht munden wollten, so daß er jene unverzüglich wieder ans Abendlicht beförderte. Doch der König gab ein Zeichen und die Runde setzte ihr Mahl fort.

Die Ansprachen der Königin Jane und ihrer Reisebegleiterin Meg sowie der Fürstin der Vereinigung, Sabine und des Abgesandten einer germanischen Forschungszunft, des Doctore Alexander, wurden mit Begeisterung vernommen und von spontanen Beifallsstürmen begleitet.

Und die Kelche wurden erhoben zur Gründung der Vereinigung mit dem Namen DeAN.

Als sich die Kelche leerten beschloß das Volk, den ahnungslosen Knappen Jochen zum Ritter zu schlagen, wor-auf er das ihm gereichte Gebäck an die johlenden Menge verteilte.

Die Feiern dauerten noch bis tief in die Nacht, und während die einen schon hinabfuhren in Ihre Gemächer, ent-schlossen einige Unersättliche, sich zu begeben in die gemeinen Tavernen innerhalb der Stadtmauern der Urbs Apud Confluentes.

 

Und mit Erwachen des nächsten Tages zogen die königlichen Abgesandten weiter und die Leut' begaben sich wieder in Ihre Dörfer. Doch sie alle behielten den Abend in freudiger Erinnerung und sie beschlossen, der Idee weiter treu zu bleiben.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann DeANen sie noch heute.