Wer einmal da war, möchte wieder hin

von Nina Häußler

Von August 2004 bis November 2005 habe ich drei Semester an der University of Technology, Sydney (UTS), Sport Management studiert und mit dem Master (by coursework) abgeschlossen. Es war eine mächtig beeindruckende Zeit, die ich mit tollen Erlebnissen verbinde. Ich kann nur jedem empfehlen, die Mühen in Kauf zu nehmen, einen solchen Auslandsaufenthalt zu planen.

Mein Erfahrungsbericht soll daher denjenigen helfen, die einen ähnlichen Aufenthalt zu organisieren haben. Besonderes Augenmerk wird dabei auf das Studium gelenkt, da ich während meiner Vorbereitungszeit hier am meisten Schwierigkeiten hatte, sachbezogene Informationen zu bekommen.

1. Langfristige Vorbereitung

Meine Vorbereitungszeit dürfte sich auf ca. 1,5 Jahre belaufen. Das schliesst den Prozess ein, bis ich mir im Klaren war, dass es nach Australien gehen soll. Wer sich um ein Stipendium bewerben möchte, sollte sich entsprechend fühzeitig darum kümmern.

Dienliche Informationen habe ich über Bildungsmessen, das Akademische Auslandsamt meiner damaligen Uni, den DAAD, natürlich DeAN e.V. und anderen Institutionen wie IEC online, das Institut Ranke Heinemann sowie die australischen Unis selber bekommen.

Recherche und Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen (curriculum vitae, motivation letter, letter of recommendation, application forms der Unis usw.) nehmen mit am meisten Zeit in Anspruch. Die Beantragung des Visums und eventuell medizinisch notwendige Untersuchungen sind vergleichsweise unkompliziert.
Um einen Flug sollte man sich ca. 9-12 Monate vor Abreise kümmern.

2. Kurzfristige Vorbereitung

Kurz vor Abflug sind die Studiengebühren zu überweisen. Mit dieser Überweisung müssen die Gebühren für die OSHC (Overseas Student Health Cover), der dortigen Pflicht- Krankenversicherung, beglichen werden. Beachte, dass die OSHC nur ca. 80 % der Arztkosten abdeckt. Zudem sind darin keine Zahnarzt- und Optikerkosten, sowie physiotherapeutische Behandlungen u.Ä. abgedeckt.

Wer nicht automatisch einen „Pre-Departure Guide“ von der jeweiligen Uni zugeschickt bekommt, sollte sich möglichst selbst darum kümmern. Darin werden praktische Orientierungshilfen für die erste Zeit gegeben, z. B. was in den ersten Tagen wo und wann abläuft (Ankunft auf dem Flughafen, Organisation Unterkunft, wichtige Termine usw.).

Wer noch kein Konto bei der Deutschen Bank hat, sollte eines eröffnen. Über die Partnerbank „Westpac“ kann man dann entgeldfrei in Australien abheben. Allerdings kann man auch als Student einer australischen Uni später kostenfrei ein Konto (z.B. bei der Commonwealth Bank) eröffnen.

Ich selber bin zwei Wochen vor Semesterbeginn in Sydney gelandet. Damit war genügend Zeit, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Vor Abflug hatte ich bereits eine Unterkunft im Studentenwohnheim organisiert. Andere Austauschstudenten haben jedoch noch in der Einführungs- bzw. ersten Semesterwoche eine Unterkunft gefunden. Also: No panic!

3. Einführungsveranstaltungen — Orientation week

Solltest Du ebenfalls an der UTS studieren, dann erwartet Dich nach meiner Erfahrung eine gelungene Einführung in Form von mehrtägigen Informationsveranstaltungen. Hauptansprechpartner sind das International Office bzw. International Studies Center sowie die Student Administration. „Peer Networker“ und „Tandem Partner“ (selbst Studierende) helfen Dir liebevoll bei der Orientierung.

Zum Semesteranfang im Autum Semester gibt es den „Orientation Day“ an dem sich jeder Uni Club sowie fast alle Einrichtungen so richtig mit eigenem Stand vorstellen.

4. (Service-)Einrichtungen der UTS

Bibliothek

Die Bibliothek ist jeden Tag in der Woche geöffnet und das auch recht lange. Anzahl und Ausleihdauer von Büchern ist abhängig vom Bachelor oder Masterstudium. Freundliche Mitarbeiter geben Tips bei der Literaturrecherche.

Computer und Sprache

Die rund um die Uhr geöffneten und gut ausgestatteten Computerräume sind vermutlich kaum von einer deutschen Uni zu schlagen. Allerdings werden keine Computerkurse an der UTS angeboten! Mit einer copy card (deposit AUD 5,-) kann man für 0,11 Cent pro Seite drucken.

Etwas schwach sieht es mit Sprachkursen aus. Lediglich zwei- bis vierwöchige Englischkurse bieten Erste Hilfe in Sachen Grammatik und akademischem Schreibstil (es gibt keine anderen Fremdsprachen zum Erlernen). Allerdings besteht das Angebot, sich von einem Englischlehrer die Hausarbeiten sprachlich korrigieren zu lassen.

Sport and Erholung

Sport geniesst einen hohen Stellenwert an der UTS. Im Angebot stehen zahlreiche und verschiedene Sportclubs, Sportkurse, Tagesausflüge und Reisen. Sporttalente werden durch verschiedene universitäre Wettbewerbe, Stipendien und Ehrungen gefördert.

Die UTS verfügt über zahlreiche Service-Einrichtungen, die ich von einer deutschen Uni nur bedingt kenne. Dazu zählen:

  • die Arztpraxis
  • die vielen Shops mit Büro- und Merchandise-Artikeln, Zeitungen, Snacks usw.
  • den Second Hand Bookshop
  • die vielen Cafés, Bars, Cash-Automaten
  • der „Career Service“
  • der „Housing Service“ zur Vermittlung von Studentenwohnheimplätzen;
  • die „Student Counsellors“
  • sowie andere umfangreiche Freizeitangeboten, die das Unileben mehr als abrunden (Band-Wettbewerbe, Kinofilme, Computerspiele, pub crawls, Parties, BBQs usw.)

5. Studium an der UTS

Campus

Die UTS hat drei Campus. Der größte, samt dem Verwaltunsgapparat, ist citynah gelegen, direkt an der Bahnhofsstation „Central“. Von hier fahren kostenfreie Shuttle-Busse alle halbe Stunde zu den anderen zwei Campus, die in North Sydney liegen.

Semester

Unterschieden wird zwischen „spring semester“ (Beginn August, Ende November) und „autumn semester“ (Beginn März, Ende Juni). In jedem Semester gibt es eine einwöchige Pause („Vice Chancellor’s week“), die in der Regel entweder zum Aufarbeiten oder Verreisen genutzt wird!

Einschreibung — Enrolment

Die Einschreibung erfolgt online, aber dennoch vor Ort! Alle „Erstsemester“ werden bevorzugt eingeschrieben und haben mehr oder weniger die Wunschfächer garantiert. Das ganze Jahr über ist eine Kurzbeschreibung der Fächer online abrufbar, so dass man eine ungefähre Ahnung von den Inhalten hat. Hat man sich für ein Fach (subject) eingeschrieben und stellt fest, dass es doch nicht das Richtige ist, kann man dies innerhalb vier Wochen, ohne dafür zahlen zu müssen, ändern bzw. abwählen.

Noten — Grading system

Man muss schon dämlich oder faul sein, um ein Fach nicht zu bestehen. Im Gegenzug ist es aber auch schwierig, eine sehr gute Note zu bekommen! Hier der Notenmaßstab (eine 80%ige Anwesenheitspflicht ist zwingend):

HD High distinction 85-100 %
D Distinction 75–84 %
C Credit 65–74 %
P Pass 50–64 %
Z Fail 0–49 %

Anforderungen und Bewertung

Der Umgang zum Dozenten scheint sehr locker und umgänglich. Es gibt keine titelgeilen Professoren und man spricht diese mit dem Vornamen statt mit „Sie“ an. Dennoch ist der Umgang miteinander äußerst respektvoll, freundlich und formal.

Jeder Dozent verteilt zu Semesterbeginn eine „subject outline“. In dieser sind Ziele, Inhalte, Bewertungskriterien und Bücher aufgeführt. In der Regel muss man sich die Bücher teuer kaufen (kalkuliere pro Semester um die AUD 300,-), da es nicht genügend aktuelle Auflagen in der Bibliothek auszuleihen gibt.

Im Gegensatz zum Studium in Deutschland, wird in Australien viel Wert auf eigenständiges Erarbeiten (individual assignment/presentation), Gruppenarbeit (group work/presentation), Diskussionen und Praxisbezug gelegt. Häufig werden auch Experten von außerhalb geladen (guest lecturers).

Die Gesamtnote ergibt sich meist aus mehreren Einzelnoten. Klausuren (exams) am Semesterende zählen kaum mehr als 30–40 %. Die Länge von Hausarbeiten (assignments) schwankt in der Regel zwischen 2.000/3.000 bis 5.000 Wörtern.

Die Dozenten bieten in völlig ausreichendem Maß Betreuungs- und Rücksprachemöglichkeiten an. Probleme bzgl. Sprechzeiten wie an deutschen Unis gibt es dort keine; Hausarbeiten werden schnell korrigiert und zurückgegeben.

Kursgröße und meine belegten Fächer

Ich habe nur Seminare und Vorlesungen besucht. In den Seminaren waren selten mehr als 20 Studenten; in den Vorlesungen waren es auch mal 100.

In meinem Master-Studiengang gab es sowohl fest vorgeschriebene als auch frei wählbare Fächer. Pro Semester habe ich vier Fächer belegt (das ist die maximale Anzahl). Alle hatten je 6 credit points:

  • Accounting
  • Sport Management
  • Sport Management Seminar
  • Venue Management
  • Sport and the Law
  • Sport Marketing
  • Event Creation Workshop
  • Event Management
  • Event Marketing
  • Sport Business (aufgeführt unter Applied Studies C)
  • Managing People
  • Organisation Analysis and Design

6. Leben in Sydney

Entertainment, Lifestyle und Kultur

Sydney ist für mich die schönste und aufregendste Stadt Australiens. Es gibt viel zu viel zu entdecken als dass an dieser Stelle Platz wäre, um alles zu anzusprechen. Es sei daher auf den Lonely Planet bzw. andere Reiseführer und -berichte verwiesen!

Wohnen

Für ein möbliertes Studentenwohnheimzimmer, inkl. Strom, habe ich AUD 260,– für zwei Wochen gezahlt (ein anständiger Preis für das, was inbegriffen war). Zur Uni konnte ich laufen und musste somit nichts extra für Transport zahlen.

Wer nicht im Studentenwohnheim leben möchte, findet ein Zimmer auf dem freien Markt. Eine Wohnung selber anmieten ist kein Problem, doch eine WG zu suchen ist einfacher. Aufpassen beim Zettel lesen: Man unterscheidet klar zwischen „shared room“ oder „shared flat/house“. Wer nicht mit drei Leuten im Wohnzimmer schlafen möchte, sollte sich daher nach einer „shared flat“ umschauen. Die Preise schwanken erheblich je nach Lage und Ausstattung. Hartgesottene werden schon ab AUD 90,–/p.w (per week) fündig. Wem etwas Anständiges und Sauberkeit wichtig ist, muss mit mindestens AUD 160,–/p.w. (kann bis zu AUD 250,–/p.w. hochgehen) rechnen.

Es gibt noch die Uni Lodge, eine Art besseres Studentenwohnheim, bei der jeder seine eigene Unit und somit Privatssphäre hat. Man zahlt hierfür mindestens AUD 260,–/p.w.

Wer an der UTS studiert und Wert auf verkehrgünstige Anbindung Wert legt, dem kann ich besonders die Stadtteile Glebe, Chippendale und Ultimo empfehlen. Wer am Strand wohnen möchte, sollte sich in Bondi umschauen. Hier zahlt man natürlich für die Lage. Manly, Coogee und Maroubra — alle am Strand — sind dafür schon wieder weiter weg.

Transport

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Sydney sind ok. Abends kann es aber lästig werden, wenn man an einer Haltestelle steht und nicht weiß, wann der Bus kommt. Es gibt nämlich nicht an jeder Haltestelle Fahrpläne!

Die Tickets (für Bahn, Bus, und/oder Fähre) kann man je nach Bedarf per 10er Karte oder Wochenticket kaufen. Bitte hier nochmal vor Ort informieren. International oder study abroad students zahlen den vollen Preis, exchange students erhalten den ermäßigten Tarif.

Fahrrad fahren im Stadtzentrum würde ich keinem empfehlen. Es gibt nicht viele Radfahrer auf den Straßen und einen Fahrradweg gibt es im Zentrum auch nicht. Ansonsten ist ein Rad eine tolle, praktische Sache. Wichtig ist aber, ein gutes Schloss zu haben. Das Tragen eines Fahrradhelms ist übrigens Pflicht.

7. Fazit

Wer einmal da war, möchte wieder hin! Es gibt viel Schönes und Aufregendes zu sehen und zu erleben…

Ausdrücklich möchte ich mich nochmal bei DeAN e.V. und Qantas für das Flugstipendium, die reibungslose Buchung sowie die nette Verabschiedung am Flughafen bedanken.

Ich würde mich freuen, wenn mein Erfahrungsbericht anderen Australien- Interessierten bei der Planung ihres Studiums weiterhelfen könnte. Gerne stehe ich bei Rückfragen unter nina.haeusler@gmx.de zur Verfügung.

Links

University of Technology Sydney

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